ABC

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Nachfolgend mein ganz persönliches ABC, angefangen bei

A – wie Anders, Günther. Steht nicht umsonst zu Beginn. Sein Standardwerk „Die Antiquiertheit des Menschen“ ist moderner denn je. Die gefühlte Bedrohung durch die Atombombe mag abgenommen haben, doch wer je Menschen vor immer mehr modernen Geräten ratlos gefunden hat (Computern, SAT-Empfängern, Handys, u.v.a.m.), ahnt: Der Mensch unterwirft sich immer mehr den Maschinen. Der Humanismus droht immer mehr abzudanken!


B – wie Bernhard, Thomas. Gnadenlos komisch. Der große Literaturkritiker Marcel Reich-Ranitzki formulierte einst zu recht: „Für diesen Autor würde ich jederzeit auf die Barrikaden gehen!“ Auf besagten Barrikaden fühlte auch ich mich wohl. Unvorbereitete lesen Wiederholungen, wo Kenner Variationen von Bach-Format genießen. 


C – wie Coltrane, John. Für Saxophonisten die Inkarnation eines höheren Wesens. Selbst für Jazz-Kenner eine Legende, mindestens. Zu recht! Er predigte in derartiger Intensität auf seinen Hörnern (Tenor- wie Sopran-Saxophon), dass die Jünger noch heute wohlig schaudern. Doch obacht! Für Uneingeweihte kann die unvorbereitete Konfrontation mit halbstündigen Soloexzessen zu ebenso ratlos und frustrierten wie schweren, allergischen Reaktionen führen. Langsam einsteigen! Langsam steigern! 

Schließlich geht der gut beratene Wagner-Freund auch nicht ohne Programmheft in die Oper.


D – wie DeLillo, Don. Lesenswert.

Dexterization. Seltsam, dass (noch) kein passender Wiki-Eintrag vorliegt. Namensgeber ist natürlich der Tenorsaxophonist Dexter Gordon (ebd.). Seine Spielweise, bekannte Stücke von der ersten Note an in etwas völlig Eigenes zu verwandeln, prägte den Begriff unter Musikern (da habe ich ihn auch her). Ergebnis: Es klingt wie etwa Round Midnight, du guckst in die Noten und stellst fest, dass er was völlig anderes spielt...

Davis, Miles. Wie schon der wunderbare Jörg Fauser (ebd.) zu recht konstatierte: manchmal ZU cool. 


E – wie Ego. Hieß früher Persönlichkeit, damals, als noch alles besser war.


F – wie Fauser, Jörg. Deutsche Krimis kranken en gros daran, dass ihre Hauptfiguren möglichst sämtliche gerade relevanten Gesellschaftsprobleme durchleiden müssen. Schwul mit türkischer Schwiegertochter und Vater auf Alzheimer ist Durchschnitt. Alkoholiker mit Spielsucht obendrein ist besser. Leider bleibt dann weder für eine spannende Geschichte noch für eine echte Betrachtung realer Verhältnisse genügend Platz. Die Autoren leiden so vor sich hin, die Leser ebenso. Wie anders Fauser! Treffende Beobachtungen, echte Typen und eine Story, die zumindest Raymond Chandler auch nicht verwirrender hätte gestalten können. Kein Wunder, dass das deutsche Feuilleton immer noch zurückhaltend auf einen solchen Autor reagiert. Einfach zuwenig im kultur-industriellen Komplex verankert.


Frankreich. Cuisine, savoir vivre, erotique und la grande nation! Santé.


G – wie Gordon, Dexter. Riesen-Saxophonist, jederzeit in der Lage mit einem Ton, der seiner Figur ebenso wie seiner Stimme entsprach, jeden Song zu etwas ganz eigenem zu machen. Siehe dazu Dexterisation.

Gemeinwohl. Der Humanist, Lateiner kennt noch den Begriff: res publica; Gemeinwohl hat sich als deutsche Übersetzung eingebürgert. Der Sinn wurde inzwischen ausgebürgert, wird jetzt schwer vermisst. 

Getz, Stan. Unverwechselbar.


H – wie Hemmingway, Ernest. Emanzipation und politische Korrektheit haben ihn in den Hintergrund gedrückt – zu Unrecht!

Hüsch, Hans-Dieter. Wenn die Welt gerecht wäre, würden Schulen nach ihm benannt, Plätze und Brücken. Und er hätte zu Lebzeiten Olympia- und sonstige Groß-Event-Mega-Hallen fünfmal so oft bespielt wie ein Mario Barth. So schätzen ihn leider nur Eingeweihte. Dabei könnten die meisten seiner Programme und Texte heute noch als aktuell durchgehen...


I – wie Italien. Wenn wir gut drauf sind: Leichte und leckere Küche vor antikem Hintergrund sowie unter südlicher Sonne. Alle Felini-Filme. Wenn nicht: Berlusconi.


J – wie Jugend der Welt. Immer für eine Überraschung gut.

Journalismus. Schafft sich selbst ab. Oder doch nicht?

Jazz. Wahre Quelle für Erneuerungen in der Musik. Er lebt doch – und wie!


K – wie Kirk, Roland „Rahsaan“. Großartiger Musiker, Solist und Komponist. Der Beweis dafür, dass Musik Spass machen kann: Publikum und Vortragendem. Bin ideeles Mitglied der Gemeinschaft, den Ruhm von Kirk zu mehren.


Kraus, Karl. Derzeit gibt es kleine, kaum intellektuelle Pinscher, die ihn als „Sprach-Fetischisten“ denunzieren. Publizistische Zwerge, die sich darin gefallen, große Tote anzupinkeln, die sich, anders als noch lebende Ehefrauen, gottlob nicht mehr wehren können. Gern im Zusammenhang mit Thomas Bernhard. Beide Genannten werden großartig bleiben. Die ungenannten kleinen Pisser wird zurecht bald niemand mehr erinnern (aus gutem Grund werden hier keine Namen genannt! Namenlos sollen sie bleiben!!)!


L – wie LeCarré, John alias Cornwall, John alias ?

Großartiger Autor von „Gegenwartsromanen mit Spannung und aktuellen Bezügen“; ein Meister der Verdichtung, in seine Zwischenzeilen passen ganze Romanbände von schwächeren Schreibern.


L – wie Lloyd, Charles. Der Impressionist unter den Saxophonisten – lang soll er leben und musizieren!


M – wie Mobilität. Der Begriff erfährt eine Umdeutung: Von Auto/Moped weg hin zu ubiquitärem Internetzugang.

Moderne. Kann als Potenzial jederzeit stattfinden. Über die genauen Details wird noch immer gern lang diskutiert.

Medien. Teil des Kultur-industriellen Komplexes. 


N – wie Nazis, Nationalsozialisten, Neo-Faschisten, u.ä.: Dummheit stirbt leider nicht aus. Und aus der Geschichte haben sie auch nix gelernt, die schlichten Geister.


O – wie Obama. Vom Messias zum Schlaffi in nur wenigen Monaten.


P – wie Postmoderne. Sollten sich die Epigonen der Postmoderne tatsächlich Gedanken über ihr Tun gemacht haben, dann würden sie wahrscheinlich was von Demokratisierung der Kunst und der Werte schwafeln. Da steht dann eben Bohlen neben Bach und Britney Spears oder Madonna ganz locker neben Charlie Parker und John Coltrane. Die sogenannte Hochkultur ist abgeschafft, ätsch! Und Harry Potter ist, falls wir überhaupt noch der Kulturtechnik des Lesens frönen, supii – schwierige Texte gehen uns am Arsch vorbei. Aber so was von dermaßen! 

Gleichberechtigung von Kunstgewerbe und Kunst, hallelujah! Siegeszug der Dummheit.

Pop. K(G)unstgewerbe für die Massen. Innovativ und anarchisch wie Volksmusik. Riesenbusiness. 

Picasso, Pablo. Bedeutendster Maler des 20. Jahrhunderts. 

Porsche. Geile Karre.


Q – wie Querdenker*. Wort des Jahrzehnts! Wobei gefühlte 15 Prozent Abweichung vom Mainstream schon ausreichen, um als Q. durchzugehen. 

*Wird von mir inzwischen ebenso gemieden wie Skeptiker oder Bürger, besorgter/aufrechter/ – Begründung hier


R – wie Rollins, Sonny. Je älter desto besser, wie guter Rotwein. 

Rock. Tot.

Riehl-Heyse, Herbert. Vorbild-Journalist.


S – wie Sex. Feine Sache.

Schein. In der Kombination trauriges Ergebnis: Michelle Houllebeque oder so ähnlich. Sein nachhaltiger Erfolg ändert nichts an meiner Meinung: als Literat und als Erotomane ein spießiger, langweiliger Verwaltungsbeamter.


T – wie TV. Überwiegend eine Verblödungsindustrie.

Thailand. Abseits aller Klischees immer noch ein faszinierendes Reiseland*. Inzwischen (Update vom 30.11.2015) bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich es wirklich heute noch uneingeschränkt *empfehlen würde. DIe Nachrichten von dort sind eher unschön. Und wir waren inzwischen schon länger nicht mehr da, können also selbst gar nichts Neunmalkluges zur aktuellen Lage von uns geben.


U – wie Unterhaltungsindustrie, allgegenwärtige. Auch: Kultur-industrieller Komplex. Es geht um Geld, Rendite, Umsatz. Dazu gehören PR-Kampagnen in den Medien. Berichterstattung auf Kohle komm raus. Verdeckt in den Feuilletons stattfindend als begleitende PR-Berichterstattung.


V – wie Verbraucherschutz. Funktioniert nur im Nachhinein, wenn das Problem bereits buchstäblich und tatsächlich gegessen ist. Entsorgung sozialisiert. 


W – wie Wahrnehmungsgrenze. Werner Schneyder verdanken wir diese Maßeinheit. In einem TV-Rahmen wurde Schneyder gefragt, was er zu dem populistischen TV-Spektakel XY zu sagen habe. Antwort: „ Das ist unterhalb meiner Wahrnehmungsgrenze.“ Leider ist die W. im Zeitalter der Postmoderne total aus der Mode gekommen. Wir stecken ihr ein Kerzlein an. Oberhalb der selben etwa hier Geschriebenes versammelt ist. Unterhalb der selben findet sich eine Menge von dem Stoff, der sonst gerne als „Phänomen“ die Aufgeregtheiten der Medien beherrscht. Die Liste der Belanglosigkeiten wäre ewig lang. Ich beschränke mich auf ein paar Stichworte: Models, Modeschöpfer, Casting-Pop-Stars, aber auch Bohlen, Madonna (geweihtes Kabbalah-Wasser zum Baden für die Kinder? Hallo! Wo bleibst Du, gewitzter israelischer Geheimdienst und klaust der Durchgeknallten den Pool und versetzt das Wasser mit wasweißich? Wir würden genau so heimlich Beifall klatschen wie damals, als Ihr die schon bezahlten Schnellboote aus Frankreich entführt habt!), „King-of-Pop“ (Bruhahaha! *schenkelklopf*) Michael „The Nip/Tuck-Thing“ Jackson, den Pfadfinder- und Gutmenschen-Tonsetzer Bob Dylan, o.ä. . 


Wallace, David Foster. Nach Lektüre seines Opus „Unendlicher Spass“ aufgenommen in meinen persönlichen Olymp. Weitere Lektüre bestätigt das Urteil immer wieder, zuletzt der „König“.


X – wie n.n.


Y – wie n.n.


Z – wie Zappa, Frank. Musiker, Komponist, Intellektueller, Amerikaner. Sein Fehlen ist schmerzlich. Aber seine Musik bleibt unsterblich! 

MUSIC IS THE BEST!

Arf#


Wird fortgesetzt