Archiv / Birghans Blog 

Für Archäologen: Nachfolgend ein Teil meines alten Blogs, wie ich ihn noch erhalten konnte. Zum Stöbern. Für Liebhaber. Wenn es sie denn gibt.


Küche

Da wären wir also wieder in der Küche. Gerne wären wir dabei in der Nähe asiatischer Märkte wie auf diesem Foto in Hongkong, wo es einfach alles gibt – lebend und gerade eben lebend gewesen…


Unsereiner behilft sich dann zum Teil mit Tiefkühlware (Fisch z.B.) oder Convenience-Produkten, um der heimischen Speisekarte auf die Sprünge zu helfen. Pasten und Würzmischungen aus der Tüte sollen Zeit sparen helfen und die Jagd nach exotischen Gewürzen eindämmen. 

Aber natürlich sind die Ergebnisse immer noch weit, ganz weit entfernt von den Geschmackserfahrungen vor Ort. Frische Zutaten vom Markt sind eben durch nichts so wirklich zu ersetzen – auch nicht durch Getrocknetes, Pulverisiertes, Gemahlenes. Da kocht man nur in Annäherungen. Je weniger Kompromisse, desto näher kommt der Hobbykoch den Erinnerungen auf der Zunge – habe ich je erwähnt, wie sehr ich die Fotos in Kochbüchern hasse? 

Das Ergebnis der Bemühungen sieht nie so aus wie die abgebildeten Gerichte im Kochbuch, den Food-Fotografen sei dank. Die arbeiten mit Tricks, die wenig bekömmlich sind, das wissen wir: Haarspray, Lack & Co schmecken kaum, helfen aber dem Foto auf die vermeintlich leckere Abbildung. Mein Lieblingskochbuch hat daher KEINE FOTOS, dafür exakte Anweisungen, die funktionieren. Das ist das Entscheidende für derlei Anleitungen: It works. Wenn nicht, weg damit – aller schönen Fotos zum Trotz!

Blah

Ah, das Foto. Natürlich Barcelona, natürlich Gaudi ;-)

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Allein für dieses Fenster wäre ich bereit, kriminell zu werden.


Was ich nicht verstehe: Warum kriege ich es nicht hin, dass die jüngsten Beiträge oben stehen? Das kann doch nicht so schwer sein, sollte man meinen. Aber ich kriege es nicht hin. 

Stop!

Jetzt geht schon wieder das Update nicht von dieser Website! 

HHHHHAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Human Research

Schon die Namesgebung ist reichlich euphemistisch, und das vorangestellte „human“ soll natürlich „Menschlichkeit“ rüberbringen. Was reiner Hohn ist.


Im digitalen Zeitalter schafft es nicht mal ein Viertel, ach was, ein Zehntel der potentiellen Arbeitgeber, eine Bestätigungsmail zu schicken, dass die Bewerbung eingegangen sei. Die Quote lag höher, als das noch Porto gekostet hat. Aber da hieß der Adressat auch noch „Personalabteilung“. 

Die Label klingen vornehmer, während die gegenseitige Verachtung überproportional zunimmt. Ob das ein Fortschritt ist?

Neustart

Wem es nicht aufgefallen ist: Ich war einige Tage total Offline! Grund war ein totaler Systemabsturz. Programme und Dateien schienen zunächst alle verloren. Dann waren sie doch da, mussten aber erst mühsam… Es hat alles etwas gedauert.


Bei der Gelegenheit, habe ich mir gedacht, könnte ich doch gleich auch das Layout erneuern. Und meine Seiten neu strukturieren. Zumindest letzteres war dann eine größere Baustelle als urprünglich gedacht.

Wie auch immer: Nun isser wieder da und online.

Zeit

Durch Raum und Zeit wandern kann der Tourist auf einem bemerkenswerten Gelände in Rajasthan, Indien: Astronomische Berechnungen in Übergröße zur Begehung gebaut. Stellenweise wirkt das Ganze, wie von Dali erdacht.

 

 Rajasthan, Indien © 2012 Frederik Birghan 

Was zur Zeit wunderbar passt, dieses surreale Element: Einerseits tragen wir Instrumente mit uns herum, die sie mehr oder weniger exakt vermessen. Andererseits bleibt das Subjektive. Wenn wir an einer Haltestelle stehen und warten, bekommen wir eine Ahnung von Verschwendung unserer kostbaren Lebenszeit. Wir stehen rum und warten. Die dabei verbrachte Zeit werten wir als Verschwendung. 

Der moderne Mensch trickst sich aus dem Dilemma, in dem er scheinbar sinnlose Zeit füllt. Musik in den Ohrhörer gepustet, Literatur auf die Augen geknallt. Mitreisende werden betrachtet, begutachtet und mit erdachten Biografien bedacht, die Schönen mit Phantasien belästigt, die zu nichts führen. Zwischenzeit nenne ich das.

Hast Du Deine Zeit sinnvoll verbracht? Klingt nach Lehrer-Frage wie: „Hast Du Deine Hausaufgaben gemacht?“ Man antwortet wie erwartet und hat ein schlechtes Gewissen dabei. Denn sinnlose Zeit ist was ganz schlimmes! Siehe auch: Sinnlos betrunken zum Beispiel. Weil es in dieser Diktion kein sinnvolles Betrinken geben kann.

Im Zeitalter der Selbstoptimierung können wir uns nur schwer dem Leistungsanspruch entziehen, der verlangt: Werde besser, schöner, größer! Wer da nur eine Sekunde nachläßt, muss sich schon als Versager fühlen. Du hast ein gutes Buch gelesen? Ist ja nett, aber hat das Deiner Karriere irgendwie geholfen? Du hast keine Karriere? Warum wohl, hm?

Wer da Gedanken an Mitmenschen verschwendet, hat schon verloren, ist nicht fokussiert genug, usw., usf. Die moderne Gesellschaft verlangt den totalen Ego-Tripp. 

Hugs

Liegt’s an mir? Einzelkind, liebesbedürftig oder sowas? Jedenfalls falle ich aus der Rolle, wenn ich Männer umarme, spontan. Das merke ich an den Reaktionen: Irritation herrscht. „Ist der schwul oder was?“

Nein, ist er nicht. Ich bin hetero. Es hätte weiß Gott in meinem Leben genug Gelegenheiten gegeben, um das andere Ufer zu testen – allein, es hat mich schlicht nicht interessiert, sorry Jungs.

Langjährige Freunde nehmen es hin, wenn ich sie herze. Die kennen mich. Bei anderen entsteht bestenfalls Verlegenheit, danach. Aber das ist okay.

Nein, der Klassenkamerad, der nach einer solchen Attacke von mir mir entsetzt aufschrie, hat mir kein Trauma verabreicht. Rückblickend finde ich ihn nur sehr spiessig. 

Die Welt ist seltsam, manchmal.

Not-boring-music

Neulich hat mein Lieblingssender in Sachen innovativer Musik (npr.org) eine Best-of-Band zusammen geworfen und auf eine Bühne gestellt – Gottseidank. 

Einen Teil der Beteiligten kannte ich schon: Robert Glasper, Ambrose Akinmusire. Andere wie Marcus Strickland schandbarerweise noch nicht. Hat sich natürlich geändert dadurch. 

An der Auswahl können nur Rassisten meckern: Alle schwarz! Könnten das Klischee von der „black classical music“ bestätigen, einen Begriff den nach meiner Erinnerung Roland „Rashaan“ Kirk geprägt hat, ein zutiefst verehrungswürdiger Musiker vor dem Herrn. 

Können also nur Schwarze wirklich Jazz? Die Größen wie Miles, Trane, Monk, Mingus  – alle schwarz. Ist das schon ein Beweis im Sinne von Marsalis?

Sorry, nein, nicht wirklich. 

Chet Baker, Pat Metheny, Stan Getz mögen als Randfiguren durchgehen. Aber Charles Lloyd oder nochmehr Brad Mehldau?

Noch schwieriger wird die Nummer, wenn sich Jazz-Innovatoren ausgerechnet mit Europäern verbünden.  Wobei die Typen natürlich zur innovatien Quelle drängen, derzeit nach Norden, wo Björk wohnt: Joshua Redman macht mit dem Trondheim Orchestra gemeinsame Sache, auch auf Tournee, und oben genannter Marcus Strickland hat seine letzte Scheibe mit einer „Per-Oscar-Nilsson-Group“ veröffentlicht. 

Also ist diese ganze Positiv-Rassismus-Scheiße einfach Quatsch, natürlich. Nicht zuletzt die Musiker selbst würden sowas weit von sich weisen. Coltrane studierte klassische (europäische) Musik ebenso wie afrikanische Klänge, andere interessierten sich für Asien. 

Jazz war immer „open-mind“. Das macht das Genre ja so interessant für gleich gestimmte Hörer, know what I mean?

Warum der BND Agenten „führt"

Das Leben steckt voller Widersprüche, schon klar. Aber das ist ein bisschen stark: Der BND soll gleich zwei Vorstandsmitglieder des Reservistenverbandes der Bundeswehr als Agenten geführt haben? 

Das klingt nach: Der Hundehalterverband hat verdeckte Beobachter beim Tierschutzverein eingeschleust. Will sagen: Den Reservistenverband als staatstragend zu bezeichnen, würde er sich weder wehren, noch seiner Rolle auch nur annähernd gerecht. Nahestehend wäre gelinde übertrieben. Man kennt sich, man schätzt sich – da sollte ein Anruf reichen, um zu erfahren, was zu erfahren ist.

Bevor wir den Bundesrechnungshof in Marsch setzen (wg. Verschwendung von Steuergeldern), sollten wir nachsinnen: Was könnte es für Gründe geben, Reservistenverbandsmitglieder als Agenten in den Büchern zu führen? 

Informationsgewinnung kann es, siehe oben, nicht sein. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass da ein Buchhalter auf diese seltsame Konstruktion verfallen ist, um „verdienten Mitarbeitern“ des Dienstes über die Zeit ein Zubrot zu sichern. Heißt, dass die beiden Vorstandsmitglieder des Reservistenverbands früher mal ziemlich wichtige Zuträger waren. Da die Sache(n), mit denen die Zwei befasst waren, reichlich geheim war (en) und bis heute bleib(en)t (warum auch immer), hat der arme Mann in der Buchhaltung diese Umwegfinanzierung gewählt. Soweit so logisch. Wäre wohl auch nie aufgefallen, wenn es diesen doofen Untersuchungsausschuss nicht gäbe. 

Auf den Trichter werden auch andere kommen. Der böse Feind zum Beispiel, wo auch immer der gerade sitzen mag. Erkenntnis: In der Bundeswehr gibt es Leute, die dem BND zuarbeiten. Boah! Das Wasser ist naß, der Himmel ist blau.

Schmidt

Harald Schmidt hat im Schweizer Fernsehen die Sendung „Kulturplatz“ moderiert, als Schwangerschaftsvertretung. Was dazu in der NZZ zu lesen war, offenbart ein tiefes Missverständnis und zeigt zugleich, was im deutsch-schweizerischen Verhältnis hakt.

Die Neue Zürcher Zeitung, dies vorweg, gehört auch für mich zu einer der besten deutschsprachigen Presseorgane überhaupt. Bezahlt noch eigene Korrespondenten, was man den sehr fundierten Berichten aus dem Ausland anmerkt. Der Kulturteil ist hervorragend. Gehört einfach auf einer Wunschliste der Blätter, die man gern im Briefkasten hätte, ganz nach vorn.

Um so verwunderlicher die offensichtliche Feindseligkeit, die Schmidt hier entgegenschlägt. Unterschwellig wird ihm unterstellt, sich im Schweizer Fernsehen etablieren zu wollen. Horribile dictu! Ein deutscher Moderator im schweizer Fernsehen! Igitt! Ekelhaft, schrecklich.

Dabei muss festgehalten werden, dass Schmidt unter allen Nasen, die ihr Gesicht in die Kamera halten, wohl am nächsten dran war und ist, was wir unter Kultur, Feuilleton verstehen. Spielt und kann Klavier und Orgel, kennt Litaratur, Oper, Schauspiel. Eigentlich eine Idealbesetzung für ein Kulturformat im Fernsehen. Vielleicht lag da ein Anreiz für Schmidt, die Vertretung zu übernehmen.

Aber er ist Deutscher. Und das ist wohl gerade ein Nachteil in einem Land, das jahrzehntelang gern die Schwarzgelder aus deutschen Landen in den eigenen Banken gebunkert hat und freudig Steuervermeider wie Schuhmacher, Vettel, Raikönen oder Flick willkommen geheißen hat. 

Wer also wie Schmidt seine Kohle zu Hause versteuert, muss aus schweizer Sicht einfach ein Schwein sein, warum auch immer.