Anti-Doof-Ranking

Haben wir nicht alle diese verblödeten Rankings satt? Diese „Top-Ten der geilsten Frauen/Männer/Schauspieler/Models o.ä.“ oder die „erfolgreichsten Pop-Songs aller Zeiten“. Noch schlimmer: Die „erfolgreichsten TV-Sendungen in Deutschland“. Kein einigermaßen mit Hirn ausgestatteter Mensch kann sich für sowas interessieren. Andererseits florieren Rankings auch und gerade online. 

Setzen wir den Algorithmen Geist entgegen und entwickeln ganz andere Rankings! Solche, die einen gewissen Anspruch implizieren. Warum eigentlich nicht? Wenn schon das gemeine Feilleton sich dem Pop-/Postmodernen-Zeitgeist ergibt, warum soll ich das tun?

Daher anbei ein paar lose Gedanken zu entsprechenden Rankings. Womit fange ich am besten an? Am besten was Populäres: Krimis und Thriller.

1. Der erste Platz gehört für mich persönlich eindeutig John LeCarré. Die Romane des ehemaligen Spions ihrer Majestät gehören für mich zu den reichhaltigsten des Genres überhaupt! Seine Recherchen zu den Örtlichkeiten und ihrer jeweiligen Duftnoten ist überragend, bei aller Verdichtung, die ihn ebenso auszeichnet. Und dann diese Dialoge! Zwischen diese Zeilen, Pausen passen epische Romane. Und immer auf der Höhe der Zeit, ganz wach und kritisch. Ein würdiger Nachfolger in der Tradition von

2. Ross Thomas. Zumindest was das Kritische betrifft. Denn wo LeCarré empfindsam bleibt, ist Thomas längst zynisch – aus Erfahrung. Der Amerikaner organisierte Wahlkämpfe und anderes. Daraus wurde dann großartige Prosa mit diversen, jeweils sehr sympathischen Helden. Vor realistischem Hintergrund wurden gute Geschichten erzählt mit viel Kolorit. Apropos:

3. Raymond Chandler war der erste, der sowas wie Athmosphäre im Genre für mich verkörpert. Dazu die gewisse moralische Haltung, die trotz aller Widrigkeiten auch den schon sehr viel mehr psychologisierenden 

4. Ross Macdonald auszeichnet: Den einsamen Kämpfer gegen das Böse. Das natürlich überall lauert: Von den Mächtigen, den Bösen, den Frauen und sogar der Polizei – wenn auch nicht immer in der gleichen Reihenfolge.

5. Die nächsten Plätze sind natürlich ebenso subjektiv, wie ich der Meinung bin, dass sie eigentlich gleichberechtigt nebeneinander stehen müssten: Adrian McKinty aus Schottland,

6. Don Winslow aus den USA, genauso wie

7. George Pelecanos, Robert P. Barker oder der bewährte James Lee Burke. Peter Temple, Michael Robotham und unbedingt

8. Ian Ranking!

9. Deon Meyer aus Südafrika. 

10. Richard Stark.

Die Liste wird ergänzt, ist aber nur bedingt verhandelbar.