Dank an Unbekannt

Er war eine Initialzündung und weiß es wohl gar nicht: Der Knirps im Musikaliengeschäft im Münchner Tal vor rund 15 Jahren (muss demzufolge inzwischen ein erwachsener Mann sein). 

Joshua Redman & Trondheim Jazz Orchestra in der Unterfahrt München

Er ging mir schätzungsweise damals bis zum Brustbein, als ich zwischen Instrumenten und diesen Selbst-Lern-Programmen („In 14 Tagen zum Saxophonisten“ oder so ähnlich) herumstöberte. Woraufhin mir der altkluge Knabe erklärte, ohne Lehrer könne sich leicht der falsche Ansatz einschleichen, den man nur schwer loswürde. Ohne Ansatz. Aber im Brustton der Überzeugung. 

Was er nicht weiß: Ich habe seinen Rat befolgt – mit ungeahnten Folgen. Für die ich schwer dankbar bin.

Über das berufliche Netzwerk bin ich damals auf Mike Patzelt gestoßen, den Saxophonlehrer, der mir nicht nur den richtigen Ansatz beigebogen hat. Als Jazzmusiker hat er mir einen Einblick in die improvisierte Musik erlaubt, die ich ohne ihn nie erlangt hätte! 

Vom „Gelegentlich-Jazz-Hörer“ mutierte ich zum Aficionado. Heute halte ich den Satz, wonach der Herr zur Rechten von Coltrane sitzt, nicht für blasphemisch, sondern für gerechtfertigt: Gott hat damit schließlich den besten Zuhörerplatz des Universums! Und Sun Ra ist keine Sonnenschutzlotion, sondern sehr interessant als Musiker.

Schlimmer noch: Ich habe die beste Quelle für gebrauchte bis antiquarische Saxophone kennen gelernt – und mir selbst dort ein tolles Instrument geleistet, das mittlerweile meine Behausung möbliert, wie andernorts der unvermeidliche Steinway-Flügel. Was kaum einer ahnt: Im Wert dürften sich die zwei kaum unterscheiden…

Wir, Mike und ich, sind jedenfalls noch immer befreundet, gottlob. Aber: Was macht eigentlich dieser Knilch aus dem Musikalienhandel heute?