Durchscheinen

Warum das neue Buch von Michael Robotham so hervorragend ist!

Es gibt Autoren, die liebe ich dafür, was zwischen ihren Zeilen steht. LeCarré steht prototypisch für diese Clique. Multi-medial erzählen sie gleich mindestens zwei Geschichten. Da kriegt der Leser was für sein Geld.

 

Was ich dagegen hasse, sind diese Furchtbare-Serienkiller-Thriller-Autoren. Schaurige Tatorte, grauenvoll entstellte Leichen, schlimme Morde, grausame Tötungsarten, aber kein Motiv. Das braucht der Autor nicht, weil der Täter einen geistigen Knacks hat – wie praktisch. 

Der Knacks läßt sich mit ein wenig Küchenpsychologie schnell andeuten: In der Kindheit ein schlimmes Erlebnis und schon ist das Monster perfekt. Mal war es die Schwester, mal der Jugendbetreuer im Heim. Das Klischee hat in diesem Genre  jedenfalls ein festes Zuhause. 

Wie anders dagegen der neue Thriller von Michael Robotham, „Um Leben und Tod“, den ich gerade als e-Book verschlinge: Hervorragend! Zwar habe ich erst etwas mehr als die Hälfte des Romans gelesen, behaupte aber jetzt schon, dass dies sein bisher bestes Buch ist.

Da ist eine spannende Geschichte, aus mehreren Perspektiven ebenso hübsch gestrickt wie gut erzählt, bevölkert zugleich von einem bunten Panoptikum an Figuren, die aber glaubhaft beschrieben sind und authentisch zu sprechen scheinen. Selbst die Nebenrollen sind interessant. Und eher nebenbei, in bester Raymond-Chandler-Manier, beschreibt Robotham relevante Abgründe der Gesellschaft, die eben die schöne Theorie von der grausamen Praxis trennt und aus deren Widersprüchen ER seine Schockeffekte bezieht. Da sind eben Politiker korrupt und manche Polizisten haben schon lange die Seite gewechselt. 

Hervorragend geschrieben (und übersetzt) ist das ganze auch noch! Ganz schlank der Stil, wenig Ornamentik – im Zweifelsfall braucht er nur wenige Striche/Sätze, um eine Szene treffend zu beschreiben und dennoch Athmosphäre entstehen zu lassen vor den geistigen Augen, Nasen & Ohren der Leser. An anderer Stelle schmeckt es sogar authentisch auf der Zunge.

Das ganze natürlich ohne eitles Gespreize! Im Gegenteil formuliert er vordergründig bescheiden daher; nur gerade soviel, um die Geschichte voranzutreiben und alle Fäden dabei in der Balance zu behalten. Ein wenig atemlos und knapp – was einerseits beschleunigt (an einer Stelle gibt es sogar einen wunderbar selbstironischen Witz über „Page-Turner“), andererseits hat Robotham eben wirklich eine ganze Menge zu erzählen. Und das alles ist voller Leben, ganz prall, ganz nah an der Wirklichkeit. 

Wer jetzt nicht Robotham-süchtig wird, kann später nicht mehr behaupten, er habe es ja schon immer geahnt!