Für Kultur bezahlen

Wenn ich zugebe, für Musik wie für E-Books zu zahlen, werde ich von meist jüngeren Kollegen ganz seltsam angeschaut nach dem Motto: Der alte Zausel hat wohl nicht mehr alle Lichter am Christbaum! Wozu bezahlen, wenn es doch ein paar Klicks weiter den ganzen Kram umsonst gibt! 

Ja, ich zahle. Erstens kann ich es mir leisten und zweitens denke ich an die Schöpfer von Musik und Büchern. Die besseren Urheberrechtsinhaber haben viel Zeit und Arbeit in ihr Werk gesteckt – wovon sollen sie künftig leben, wenn alle den Obulus verweigern? Bei Musikern mag die Live-Performance noch einträgliches Einkommen bieten, bei Autoren wird das kaum zutreffen. Die ignorante Haltung einiger Netz-Apologeten, wonach Künstler halt selber für andere Einnahmequellen sorgen sollen, kann ich nicht nachvollziehen. Sowas können nur Leute von sich geben, die sich nie damit abgequält haben, ein Instrument zu beherrschen – oder ihre eigene Muttersprache.

Alles möglichst billig, besser umsonst, entspricht wohl dem Zeitgeist, der Schnäppchen-Haltung. So aber kann keine Kunst gedeihen. 

Kunst hat, das sei ausdrücklich vermerkt, nichts mit Bestsellern und Massenverkäufen zu tun! Millionen Fliegen können sehr wohl irren. So mag Michael Jackson der König des Pop sein, weil er soundsoviel Fantastiliarden Platten verkauft hat. Aber echte Musik-Kunst findet woanders statt. Frau Rowling darf sich wegen ihrer Harry-Potter-Reihe über üppige Tantiemen freuen (sie seien ihr von Herzen gegönnt), aber große Literatur findet sich woanders. 

Die Digitalisierung von „Content“ sowie deren Kapitalisierung und Optimierung macht alles zu Pop, zu Massenkultur. Echte Kunst landet auf dem Ramschtisch, es findet ein Ausverkauf von Kultur statt. Statt Kultur zum Massenphänomen wird sie im Zeitalter der Digitalisierung erst recht zum elitären Gut: Helene Fischer hat kein Einnahmeproblem, ein Till Brönner muss für Anzüge werben, um über die Runden zu kommen. 

Dass ein Brad Mehldau in der Spitze bestenfalls auf 20.000 verkaufte CDs kommt, ist bezeichnend – der gilt zurecht als DER Piano-Jazz-Star. Tourneen sind da Pflicht, um als Künstler überleben zu können. Und was ist mit den anderen Musikern, die sich jahrelang mit ihrem Instrument gequält haben, mit täglich stundenlangen Übungen und dann doch noch weniger Titel verkaufen können als Brad Mehldau? Zum Arbeitsamt? Umschulung trotz Könnerschaft? Solche Ideen können wohl nur Neider vor sich selbst ertragen, die selbst nix können und anderen konsequenterweise nicht die Butter auf dem Brot gönnen. 

Noch findet sich ja gute Literatur, gute Musik abseits von Bestseller-Rankings und Top-Verkäufen, noch. Aber wie lange noch, wenn die Entwicklung so weiter geht? Deshalb: Noch schnell jetzt kaufen, bevor morgen der Markt alles tot geregelt hat!