Paranoia

Als Flugreisender ist man ja Kummer gewohnt in diesen Zeiten von Terror-Angst und sonstiger Paranoia. Dennoch hält die Sicherheitsbranche immer neue Überraschungen bereit. Beispiel: Inlandsflug von München nach Hamburg. Neben dem üblichen Gedöns „Gürtel bitte ausziehen!“ überrascht uns der zuständige Mitarbeiter der Security mit der Mitteilung, dass die Konzentration von Behältnissen mit Flüssigkeiten im Kulturbeutel nicht reicht. Er empfiehlt/befiehlt den Kauf der bescheuerten Zipp-Tüte im nächst gelegenen Shop. Da kostet ein Plastikbeutel gleich 50 Eurocent! Super-Geschäft, nehme ich an. Aber man ist gewarnt. Zumal ich schon in Dublin eine Marmelade wegschmeissen musste, die leider nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprach. Labskaus im Handgepäck? No chance.

Rückflug. Das Personal möchte meine Tasche näher begutachten, fragt höflich. Was war der Anlass der näheren Untersuchung? Ein Stift („ziemlich massiv“) und Manschettenknöpfe („aha“). 

Was ich an der Situation so unangenehm finde: Die Erklärungsnot. Du musst begründen, was jeweils auf dem Scanner rätselhaft scheint. 

Kann von so kleinen Teilen Bedrohung ausgehen, frage ich mich dann. Oder sind die alle nur komplett von der Normalitätsrolle? Sprengsätze, wirkungsvolle zumal, müssten doch eigentlich ein ganzes Stück größer sein, oder? Aber ich bin ja nur ein normaler Reisender und kein Fachmann für Anschläge. 

Obwohl: Normal? Zwei Uhren? Das erfordert ebenfalls Erklärung. Mein Spruch, wonach ich auf den Satz „jetzt der Uhrenvergleich“ warte, wird zwar goutiert, dennoch muss ich nachschieben, dass ich mich einfach nicht entscheiden will zwischen zwei schönen Zeitmessern und daher beide… Immerhin darf ich durch und fliegen.

Der Hamburg-Shop im Abflugsbereich des Flughafens hatte auch keinen Labskaus in Dosen. Könnte ja explodieren. Dann muss ich ihn halt selber nachkochen zuhause in München. Bin noch nicht sicher, wie sicher das den Flugverkehr macht. Kulinarisch jedenfalls könnten Gefahren drohen.