Pegida

Ich bin Pegida-müde. Müde der dummen Sprüche von Urhebern vergleichbaren intellektuellen Formats. Müde des Hypes aber auch via Medien über jede Zuckung eines Häufleins Verzweifelter, Ratloser und Wütender. Mehr Aufmerksamkeit hatte zuletzt kaum der ADAC in seinen schlechtesten jüngsten Zeiten. Und das will was heißen!

Tenorsaxophon

Aus rein professionellen Gründen verstehe ich ja die Reaktionen der Redaktionen! 

Vor der Haustür! Jede Lokalredaktion freut sich über einen Aufhänger bundespolitischen Ausmaßes, selbst wenn dann am Ende steht: „In XYZ ist die Welt noch in Ordnung“ , oder „In XYZ hat Pegida keine Chance!“, Glückstreffer trotzdem immer: sichere Bank, ein klein wenig Schauer fällt doch ab auf die Provinz, der dann Käufer, Klicker, Besucher „generieren“ soll. Das ist ja so wichtig, wie die Exegeten des Marketings klassischer Prägung nicht müde werden zu betonen. 

Was ich für Quatsch halte. Kundenbindung im Bereich Medienkommunikation wird, wie in anderen Branchen auch, vor allem durch kontinuierliche, verlässliche Information erzielt, die kontinuierlich zwischen den beteiligten Ebenen fließt. Transparenz ist ein wichtiger Begriff. Aber dazu später.

Eine Lokalzeitung ohne Vernetzung „vor Ort“ ist keine. Ein Fachmagazin ohne eigene Kontakte in die Branche hinein muss zahnlos bleiben.

Die Glaubwürdigkeitskrise der „Medien“ wird derzeit erbittert geführt – digital wie analog; kein Wunder: Die klassischen Medienhäuser erleben derzeit geradezu einen Bedeutungsverfall! Was sie dagegen unternehmen, führte unweigerlich zu einem eigenen Beitrag.

Man hat sich kaputtgespart, hat daher nicht mehr genügend Redakteure, die man als Medienhaus vor die Tür schicken könnte. Während die verbliebenen Personen den Mangel verwalten, gibt’s vor der Tür Krawalle, die in den genannten Medienhäusern nicht mehr verstanden werden. Was nicht wundert, denn vor der Tür ist ja keiner mehr aus der Redaktion: Arbeitszeitverschwendung!

Insofern denke ich, dass die Medienhäuser nicht nur an ihrer eigenen Abschaffung sehr erfolgreich arbeiten, sondern auch die demokratische Balance, den öffentlichen Diskurs aus der Bahn werfen. 

Bloße Verwalter des vormals öffentlichen Diskurses erreichen die Öffentlichkeit nicht mehr, sie arbeiten ins Ungefähre hinein, das sie nicht mehr wirklich kennen. So kommt es zum Clash der Kulturen: Die Abgehängten schreien „Lügenpresse“ – die sie gar nicht mehr lesen. Der Rest aber tut es nur noch im schwindendem Maß. Bedeutungsverlust muss die Folge sein.

Das ist wohl die Folge, wenn Verleger durch Erbsenzähler ersetzt werden.