Schmidt

Harald Schmidt hat im Schweizer Fernsehen die Sendung „Kulturplatz“ moderiert, als Schwangerschaftsvertretung. Was dazu in der NZZ zu lesen war, offenbart ein tiefes Missverständnis und zeigt zugleich, was im deutsch-schweizerischen Verhältnis hakt.

Die Neue Zürcher Zeitung, dies vorweg, gehört auch für mich zu einer der besten deutschsprachigen Presseorgane überhaupt. Bezahlt noch eigene Korrespondenten, was man den sehr fundierten Berichten aus dem Ausland anmerkt. Der Kulturteil ist hervorragend. Gehört einfach auf einer Wunschliste der Blätter, die man gern im Briefkasten hätte, ganz nach vorn.

Um so verwunderlicher die offensichtliche Feindseligkeit, die Schmidt hier entgegenschlägt. Unterschwellig wird ihm unterstellt, sich im Schweizer Fernsehen etablieren zu wollen. Horribile dictu! Ein deutscher Moderator im schweizer Fernsehen! Igitt! Ekelhaft, schrecklich.

Dabei muss festgehalten werden, dass Schmidt unter allen Nasen, die ihr Gesicht in die Kamera halten, wohl am nächsten dran war und ist, was wir unter Kultur, Feuilleton verstehen. Spielt und kann Klavier und Orgel, kennt Litaratur, Oper, Schauspiel. Eigentlich eine Idealbesetzung für ein Kulturformat im Fernsehen. Vielleicht lag da ein Anreiz für Schmidt, die Vertretung zu übernehmen.

Aber er ist Deutscher. Und das ist wohl gerade ein Nachteil in einem Land, das jahrzehntelang gern die Schwarzgelder aus deutschen Landen in den eigenen Banken gebunkert hat und freudig Steuervermeider wie Schuhmacher, Vettel, Raikönen oder Flick willkommen geheißen hat. 

Wer also wie Schmidt seine Kohle zu Hause versteuert, muss aus schweizer Sicht einfach ein Schwein sein, warum auch immer.