Schweiz

Es war die erste bewusste Begegnung mit einem Schweizer: Der Typ fuhr eine Alpine, beeindruckend aufgebohrt. Und er hielt nicht hinter dem Berg mit der Performance seines Wagens, gottseidank. Wir durften mitfahren – keine Ahnung mehr wieso, lange her. Das Ding versägte sämtliche Konkurrenten an allen Ampeln der Region Ffm. Was mich sogleich für ihn vereinnahmte: Der lockere Humor! Seitdem bin ich Schweizer-Fan!

Inzwischen gibt es einen Mann, der eigentlich zur Familie meiner Münchner Freundin gehört, jetzt aber als „der Schweizer" durchgeht, weil er da mittlerweile wohnt. Schon länger inzwischen. Lange genug jedenfalls, um schon einen schwyzerdütschen Sound angenommen zu haben. Handwerker, grundsolide, aber immer auch begeisterungsfähig für dies & das.

Dann war da die ehemalige Krankenschwester in Thailand, die dort inwischen an einem eher ruhigen Strandabschnitt kurz vor einem Nationalpark bei einer Thai-Familie lebte, voll integriert. Half in der Küche, übersetzte natürlich für Touristen, kümmerte sich aber auch um die Kinder – und sprach Thai! Was für einen Europäer eine sehr herbe Hürde darstellt. 

Meine Versuche versandeten schon in den Anfängen. Ein Engländer auf Koh Samui erzählte uns von seinen Lernerfahrungen: Nach mindestens sechs Jahren rechne er noch immer mit Gelächter, Ohrfeige oder völligem Unverständnis, weil er irgendwelche Betonungen, Laute nicht richtig hinbekomme.

Die ursprünglich aus der Schweiz stammende Krankenschwester jedenfalls erzählte uns dann in der Folge, dass sie nach ihrem Berufsende erst einmal eine Weltreise zu allen Sehnsuchtsorten, speziell Stränden, unternommen habe: Darunter so Sachen wie Bora-Bora. Oder Hawai, Bermudas, Malediven. 

Wir waren damals sehr oft in dem kleinen Strandrestaurant, wo die Schweizerin irgendwie dazu gehörte. Also hörten wir von der rüstigen Dame beim frischen Fisch Sätze wie „natürlich sind die Strände auf Bora-Bora einmalig – aber der Aufwand dafür steht einfach nicht dafür“. Sie war weitgereist und hatte sich ihr Urteil gebildet, durchaus ein wenig ökobewegt. Tourismus hat auch zerstörerische Tendenzen. Am nördlichsten Zipfel einer sehr großen und bekannten Bucht jedenfalls. da wo es schon langsam einsam wurde, da fand sie den perfekten Kompromiss aus Strand und Möglichkeit, Menschen und Umständen, um zu bleiben. Ich weiß noch, dass mich das damals ziemlich beeindruckt hat.

Sie war ganz gewiss keiner dieser Pseudo-Aussteigerinnen, die Reisende grade in Thailand zuhauf treffen können. Der Typ, der im Zweifel zu Hause Mami anruft, wo denn die Kohle für weitere Wochen der Selbstfindung bleiben; gerne auch über 30 oder 40.

Die erstaunlich fitte ältere Dame hatte gesehen und ein Urteil gefällt für ihr restliches Leben. Sie hatte ihr Glück bei den freundlichen Thailändern gefunden und wollte bewusst mit ihnen ihren letzten Lebensabschnitt angehen.

Wahrscheinlich, so fürchten wir mittlerweile, ist dieser Lebensabschnitt viel zu kurz gewesen: Die Gegend wurde vom Tsunami verwüstet, unser Hotel von damals war noch Jahre später nur Ruine. In der Nähe haben wir die Schweizerin nicht mehr getroffen und fürchten daher das Schlimmste. Aber wir tragen sie immer noch in unseren Herzen.