Zeit

Durch Raum und Zeit wandern kann der Tourist auf einem bemerkenswerten Gelände in Rajasthan, Indien: Astronomische Berechnungen in Übergröße zur Begehung gebaut. Stellenweise wirkt das Ganze, wie von Dali erdacht.

 

 Rajasthan, Indien © 2012 Frederik Birghan 

Was zur Zeit wunderbar passt, dieses surreale Element: Einerseits tragen wir Instrumente mit uns herum, die sie mehr oder weniger exakt vermessen. Andererseits bleibt das Subjektive. Wenn wir an einer Haltestelle stehen und warten, bekommen wir eine Ahnung von Verschwendung unserer kostbaren Lebenszeit. Wir stehen rum und warten. Die dabei verbrachte Zeit werten wir als Verschwendung. 

Der moderne Mensch trickst sich aus dem Dilemma, in dem er scheinbar sinnlose Zeit füllt. Musik in den Ohrhörer gepustet, Literatur auf die Augen geknallt. Mitreisende werden betrachtet, begutachtet und mit erdachten Biografien bedacht, die Schönen mit Phantasien belästigt, die zu nichts führen. Zwischenzeit nenne ich das.

Hast Du Deine Zeit sinnvoll verbracht? Klingt nach Lehrer-Frage wie: „Hast Du Deine Hausaufgaben gemacht?“ Man antwortet wie erwartet und hat ein schlechtes Gewissen dabei. Denn sinnlose Zeit ist was ganz schlimmes! Siehe auch: Sinnlos betrunken zum Beispiel. Weil es in dieser Diktion kein sinnvolles Betrinken geben kann.

Im Zeitalter der Selbstoptimierung können wir uns nur schwer dem Leistungsanspruch entziehen, der verlangt: Werde besser, schöner, größer! Wer da nur eine Sekunde nachläßt, muss sich schon als Versager fühlen. Du hast ein gutes Buch gelesen? Ist ja nett, aber hat das Deiner Karriere irgendwie geholfen? Du hast keine Karriere? Warum wohl, hm?

Wer da Gedanken an Mitmenschen verschwendet, hat schon verloren, ist nicht fokussiert genug, usw., usf. Die moderne Gesellschaft verlangt den totalen Ego-Tripp.