Alarmismus im juste milieu

Wohin der geneigte Zuschauer oder Leser blickt und liest: Alarm & Untergang in Serie! Erst war es hierzulande das Waldsterben, das als Thema große Furore machte (der erste kritische Klimareport hatte dagegen keine nachhaltige Wirkung gezeitigt). Krise bis zur Hysterie – doch was als „le Waldsterben“ in den französischen Sprachgebrauch einging, fiel dann doch aus. Der Wald steht immer noch, still natürlich.

Dann wollte uns die Atomkraft spalten, die Kernenergie vergiften und der NATO-Doppelbeschluss des seligen Kanzlers Schmidt hätte fast den Weltkrieg bis nach Bietigheim getragen, wenn nicht so viele tapfere und engagierte Bürger … Äh, nein, so war es nicht. Aber Schwamm (oder Wasserwerfer) drüber.

Zuletzt kam es für manchen Bürger dicke: Erst sollte ihn die Finanzkrise in die Armut reissen, nun droht der „Flüchtlingsstrom“. Jetzt Terror in Paris – da kriegen sie auch in Pankow Panik. Wenn der Islamist kommt, kriegen sogar Nazis Angst. Denn die sind nicht dümmer, aber brutaler und offensichtlich weltweit viel besser vernetzt und organisiert. Darauf versammeln sie sich ängstlich im Osten und rufen dummes Zeug.

Wenn ich auch mal „franzeln“ darf, wie die Süddeutsche Zeitung einmal das Formuliergehabe von Franz Beckenbauer so treffend bezeichnete, dann würde ich analog zum legendären Verdikt des Kaisers „ich hab’ keine Sklaven gesehen in Quatar“ schreiben: Ich hab’ noch keinen Flüchtlingsstrom gesehen. Jedenfalls da, wo ich wohne oder mich hauptsächlich aufhalte. Und ich wohne nicht in Thüringen oder Sachsen! Wo Ausländer ohnehin kaum vorkommen. Vielleicht liegt’s ja grad daran?

Dass ein so reiches Land wie Deutschland es sicht schaffen soll, einige Hunderttausend Flüchtlinge menschenwürdig zu versorgen, kann nur ein schlechter Witz sein! Natürlich können wir das. Was soll denn die Welt für einen Eindruck von uns haben, künftig? Hm? Das Volk der Bescheißer, die Autos mit heimlicher Software verkaufen, die technischen Fortschritt und saubere Technik nur simulieren, wenn der Prüfstand läuft? Und sonst nix mehr auf die Reihe kriegen? Erst kam die Bahn nicht mehr pünktlich, dann der Nahverkehr in so reichen Städten wie München ins Trudeln – und jetzt versagen wir dabei, ein in der Verfassung verankertes Menschenrecht zu praktizieren?

Wohlgemerkt: Als Terrorist ist der Ausländer wirklich gefährlich! Das bestreite ich nicht. Nur sind das in der Regel nicht reguläre Flüchtlinge, sondern junge Männer aus Vororten und Trabantenstädten. Wie sie dort wurden, was sie sind, vermag ich im Einzelnen nicht zu beurteilen. Aber trennen sollte man hier schon, gell Pegida und AfD?

Also wenn ich mir das so überlege, wäre der einzig angebrachte Alarm vor dem Untergang der vor unserem eigenen. Wenn man weit genug weg fährt, trifft man genug Menschen, die immer noch glauben, hier liefe alles supi. Deswegen kommen ja auch so viele zu uns. Die glauben tatsächlich, hier ginge alles pünktlich, liefe alles korrekt, sei Bestechung unbekannt und mache der Rechtsstaat wirklich alles recht. 

Wenn die unser Land im Sinkflug erst aus der Nähe kennenlernen, dann, so bin ich überzeugt, werden viele woanders hinstreben. Dahin wo es besser läuft. Wo Infrastruktur funktioniert. Und wo nicht politisch Irregeleitete straflos Mitbürger terrorisieren dürfen, wie in den neuen Bundesländern in manchen Landstrichen seit Jahren passiert – ohne nennenswerte Folgen bis heute.