#Applehate

Wenn es stimmt, dass Käufer von Produkten der US-Firma Apple in beinahe religiöser Glaubensbeziehung zu ihr stehen, dann bin ich grad vom Glauben abgefallen – quasi jetzt ein Ungläubiger. Und das nach zwei Dekaden einer bis vor kurzem fruchtbaren Gemeinschaft!


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Religiöse Züge soll die Gemeinde der Apple-Jünger kennzeichnen


Ein Jünger ward geboren

Bis vor rund einem halben Jahr war ich zumindest ein ebenso zufriedener wie treuer Kunde: Fand die Geräte schick designed, lange haltbar und wunderbar leicht zu bedienen. Habe mich sogar ab und an dazu hinreißen lassen, etwas überheblich über vermeintlich arme WINdoof-User zu lästern. Nerds sprechen in solchen Fällen von einem typischen (Apple-)Fanboy. Vorbei, perdu, tempi passati.

Es begann mit der jüngsten Version des Betriebssystems OS X, 10.11 „El Capitan“: Kurz nach der Installation auf meinem 27-Zoll-iMac (5 Jahre alt) erlebte ich den ersten schweren Systemabsturz überhaupt als Apple-User  –  nichts ging mehr, der Mac war tot. Erst eine Neuinstallation konnte ihn wiederbeleben. Hatte in der Folge Tage gebraucht, um alles wieder so einzurichten, wie gewohnt, inklusive meiner umfangreichen Musikbibliothek in iTunes.

Erstes Unheil

Mein Drucker ging trotzdem nicht mehr; der Hersteller teilte auf Nachfrage mit, dass es für dieses Produkt auch künftig kein neues Software-Upgrade geben würde. Ergo Rückkehr auf die Vorgängerversion des Betriebssystems, was sich einfacher liest, als es tatsächlich war! Tatsächlich ist der Kunde dabei gezwungen, erneut das ganze System neu aufzusetzen – und zwar mittels einer CD/DVD, da ältere Software zwar heruntergeladen, aber unter diesen Umständen nicht installiert werden kann. Wochen später habe ich dann einen neuen Drucker gekauft.

Einmal im Kaufrausch ersetzte ich mein iPad (erste Generation; zähle mich hier zu den early adopters) durch ein aktuelles iPad Air 2. Das Ur-iPad war langsam geworden, zeigte sich den neuesten Software-Anforderungen nicht mehr gewachsen. Dass die neueste Software von Apple selbst noch nicht erwachsen war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen …

Zunächst traten kleine, merkwürdige Fehler auf: Über Nacht verschwanden einzelne Musiktitel von ganzen Alben, die ich bei iTunes erworben hatte. Entweder konnte die Software angeblich das Format nicht abspielen oder das Stück endete bereits nach zehn Sekunden. Seltsam. Wenn ich diese Titel löschte und dann neu herunterlud, ging’s wieder. Erste Warnhinweise, die ich leider ignorierte. Mehr noch: ersetzte mein iPhone 4S durch ein aktuelles 6S plus. Schön blöd.

Weiteres Unheil

Wie hier an der ein oder anderen Stelle zu sehen, fotografiere ich auch gern, vor allem im Urlaub, auf Reisen. Zur Bearbeitung und Verwaltung meiner digitalen Bilder benutzte ich – natürlich – ebenfalls ein Apple-Tool, Aperture. Insofern war ich etwas unglücklich über die Ankündigung aus Cupertino, dem kalifornischen Stammsitz des Unternehmens, dass man dort die Weiterentwicklung der Software einstellen wolle. Aus Aperture und der bisherigen Amateur-Version iPhoto solle das neue Fotos werden. Aber eine sanfte Migration wurde versprochen: Keinerlei Nachteile für die Anwender, im Gegenteil, alles besser, schöner, usw. – zudem wurden bis zuletzt immer noch „RAW-Compatiliby“-Updates ausgereicht, für Fotos UND Aperture! Und auch in iTunes, das nicht nur Musiksoftware ist, sondern die Generalanwendung zur Verwaltung und Pflege der mobilen Gadgets, standen zur Synchronisierung von Bildern sowohl Fotos als auch Aperture zur Wahl.

Was zu Lebzeiten von Steve „Apple-Jesus“ Jobs undenkbar gewesen wäre, geschah: Die gegebenen Versprechen, so stellte sich heraus, waren das Papier nicht wert, auf dem diese und ähnliche Verlautbarungen gedruckt worden waren. Plötzlich erschienen bei der Synchronisierung meines neuen iPads Fehlermeldungen: iTunes könne die Mediathek von Aperture nicht finden – „Versuchen Sie es später noch einmal“.

Als (noch) folgsamer Jünger der Apple-Sekte habe ich das tatsächlich getan. Solange, bis iTunes das Synchronisieren des neuen iPads komplett verweigerte. Jetzt ging hier nichts mehr. Weder konnte ich an die Foto-Einstellungen heran, um sie entweder abzustellen oder zu ändern, noch meine Musikauswahl ändern. Fehlermeldung, Fehlermeldung und F… „Versuchen Sie es später noch einmal.“

Und der Himmel verdunkelte sich

In der dann folgenden Verzweiflung habe ich das Backup auf meinem Mac gelöscht (vielleicht war ja da der Hund begraben; so etwas hatte ich schon mal erlebt und auf diese Art abgestellt) und das iPad „wiederhergestellt“ – was im Apple-Neusprech nichts anderes heißt als Neuinstallation des Geräts. Aber ich hatte ja noch die Backups in iCloud! Also konnte ja eigentlich nichts schiefgehen.

Doch, konnte. Und ging. Denn die Wiederherstellung aus meinem iCloud-Backup funktionierte nicht. Also waren alle Daten weg samt Spielständen und In-App-Käufen in den Games, verschwunden auf Nimmerwiedersehen.

Das war die Zeit, gestehe ich hiermit als Ex-Katholik, als ich begann, schwach zu werden in meinem Glauben. Die Saat des Zweifels nistete sich ein und vollführte ihr teuflisches Werk. Aber es sollte noch nicht das Ende sein!

Zwischenspiel: Stellen Sie sich vor, Sie brächten Ihren Wagen zu einer freien Werkstatt, um einen Ölwechsel oder Batterietausch vornehmen zu lassen. Irgend so etwas  ganz harmloses, undramatisches. Stellen Sie sich weiter vor, wie Sie zum fälligen Inspektionstermin bei der Vertragswerkstatt vorfahren und dort zu hören bekommen, dass Ihr Wagen leider nicht mehr angefasst werden könne, weil Sie ihn durch den „Eingriff von Dritten verändert“ hätten. Vielleicht würden Sie laut werden, mit dem Anwalt drohen, bei der Zeitung und der Verbraucherzentrale anrufen. Worte wie „unseriöses Geschäftsgebahren“ würden fallen. So einfach hinnehmen jedenfalls wollten Sie das sicher nicht. In der Automobilbranche ist diesbezüglich bereits ein einschlägiges Urteil durch eine höhere Instanz gefällt worden, das Ihnen dabei den Rücken stärkte.

Zurück zu Apple, genauer in den nächsten Apple-„Flagship“-Store, wie die Verkaufsfilialen des Unternehmens neudeutsch-protzig heißen. Dort stand ich kürzlich mit meinem neuen iPhone und dessen Vorgänger. Den hatte ich eigentlich an meine Freundin weiterreichen wollen. Für sie wäre es eine Verbesserung gewesen.

Und er fiel ab vom Glauben

Wie von Apple empfohlen hatte ich das alte 4S genau nach Anweisung auf der Website vor der Übergabe gelöscht und abgemeldet. Meine liebe Freundin sollte mit einem jungfreulichen Speicher alles nach ihrem Gusto einrichten können. Doch als wir das Teil mit neuer SIM-Card wieder in Betrieb nehmen wollten, blieben wir schon in den ersten Schritten stecken. Ob der Akku schon sein Lebensende erreicht hatte? Freundin ließ den Akku bei einem Drittanbieter billiger und schneller wechseln, als von Apple angeboten. 

Und da stand ich nun und hörte von der Apple-Messdienerin (vulgo: Angestellten) den unglaublichen Satz: „Da können wir das Gerät nicht mehr anfassen, tut mir leid.“ Begründung: Durch den Akkutausch sei das Gerät „nicht mehr im Originalzustand“.

Das war das kleine Tröpfchen, welches das vielzitierte Fass zum Überlaufen brachte. Seitdem habe ich meinen Glauben verloren, bin endgültig kein „Fanboy“ mehr. Vielmehr wächst etwas anderes heran, ganz stark: Hass auf eine wirtschaftliche Diktatur, ein faschistisches Unternehmen, das seine Kunden gängelt wie Kim Il-Jung seine Untertanen. Plötzlich sehe ich klar. Und die nächste Gerätegeneration von Rechner, Smartphone oder Tablet, für die ich teures Geld ausgebe, wird sicher nicht mehr das Apfellogo tragen. Das schwöre ich bei allem, was mir heilig ist!