Auftritt des Schauspielers

Plötzlich steht Ralf Wolter neben mir am Informationsschalter des Klinikums rechts der Isar in München in der Nähe des Haupteingangs. Ich brauche ein Taxi, er will vom anderen Mann wissen, wo der nächste Briefkasten ist.

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„Draußen“ lautet der erste Teil der Antwort. Und Wolter, ganz Profi, erkennt seine Gelegenheit instinktiv und ergreift sie: „Draußen!?!“ wiederholt er mit allen Schattierungen. Kopfschütteln inklusive. Ein kleines Bißchen ist er verschwendet, dieser Auftritt – aber nur ein Klitzekleines. Ich fand’s großartig! Der Held meiner Jugend!!

Na, gut: Ein Held – von, äh, ganz schön vielen. Es heißt ja nicht umsonst jugendliche Adoleszenz, Sturm und Drang und so. 

Lex Barker war bei mir allerdings untendurch, als er die minderjährige Tochter einer Freundin vergewaltigt hatte. Old Shatterhand hatte zumindest in der Rolle und dem Schauspieler ausgeschmettert. Seltsam, dass mir gerade auffällt, dass solche Geschichten damals schon die Runde machten.

So wie später die Geschichten von Dieter Wedel, dem Regisseur von „Bellheim“ und so TV-Sachen, große Sachen, lange Sachen: „Mehrteiler“. Da wurden damals schon Geschichten vom „notorischen Verführer“ erzählt, der seine Hände nicht von den Hauptdarstellerinnen lassen mochte. Ich behaupte, die Grundtonalität dieser Geschichten ließ schon damals mehr ahnen/befürchten, auch wenn Vergewaltigung damals nicht expressis verbis vorkam. Das Thema wollte ständig um die Ecke hüpfen raus an die Freiheit.

Auch im linken Kultur- und Theaterbetrieb zum nicht minder linken Frankfurt am Main (damals! Verdammt lang her…) gab es Regisseure, die Hauptrollen nur nach Sex vergeben haben sollen. Da ging es um Machtmissbrauch und Männergewalt. Von wegen selbstbestimmter Sex und sexuelle Befreiung!

Dass diese Sachen ausgerechnet jetzt noch mal durchgekaut werden müssen, hat sicher mit #Metoo und den Folgen zu tun; Weinstein und so. Weil wir halt auch die Debatte wollen. Ob’s was bringt?