Basi statt Stasi

Ich bin gephished worden!

Eigentlich hätte es mir nicht passieren dürfen; schließlich kenne ich die Gefahren, habe selbst oft genug gewarnt vor diesen Phishing-Mails. Jeder kennt sie: Kontrollieren Sie Ihr Konto! ruft einem da angeblich die Sparkasse entgegen.

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Gar nicht leicht, so einen Schein los zu werden – im Netz ist es für alle leider leichter; auch für Betrüger

Dabei hat man da gar kein Konto! Gut, da ist es leicht. Vielleicht zu leicht. Vielleicht wog ich mich daher in trügerischer Sicherheit. Absender habe ich mir bestimmt angeschaut und wäre bei „Paypal.tv“ etwa schon misstrauisch geworden. Aber so schien die Adresse seriös und ich klickte auf „Verifizieren Sie Ihr Konto“…

Vor Tagen dann der hektische Anruf von einem „Kartenservicecenter“, von dessen Existenz ist bislang gar nichts wusste: Auf meinem Konto hätten verdächtige Abbuchungsversuche stattgefunden. Ob ich z.B. eine Zahlung aus Bangladesch veranlasst hätte. Von Bangladesch? In Bangladeshi Taka? So heißt nämlich die dortige Landeswährung (wußte ich vorher auch nicht). Nein, natürlich nicht! Was sollte ich hier im oberbayerischen Outback denn auch mit BDT, so die Abkürzung, anfangen?

Ich könnte mich jetzt natürlich darüber empören, dass da eine Art Banken-Geheimdienst mein Konto überwacht hat, ganz offensichtlich. Basi statt Stasi! Könnte ganz grundsätzlich werden wg. Privatsphäre, dem Schutz derselben und Eingriffe in dieselbe. Schriebe ein flammendes Plädoyer für den Schutz meiner Daten.

Mach’ ich natürlich nicht. Weil ich davon ja profitiere: Wenn die nix gemerkt und Alarm geschlagen hätten, wäre eine noch wesentlich größere Summe von meinem Geld nach (vermutlich) Bangladesch geflossen – und sicher nicht in Entwicklungshilfe, den Aufbau von Krankenhäusern oder Schulen. Sondern in die Taschen von Gangstern.

So aber kann ich sogar hoffen, die paar Hundert Euro wieder zu bekommen, welche die Bande schon übers Wochenende abgezogen hatte. 

So darf man aber schon schließen: Wenn es gut für uns ist, sind wir locker bereit, Einschränkungen in unsere Rechte hinzunehmen. Ja, wenn ich was davon habe!

Man sollte sich dessen nur sehr genau bewusst sein.