FDGO

Es war einmal eine Zeit, zu der sich die Bundesrepublik D. zum ersten Mal im Kern durch Extremisten bedroht sah – und die kamen aus dem Inneren: erst Baader-Meinhof, dann RAF; von ganz weit Links und in den 70ern. Damals wurde die Freiheitlich-demokratische Grundordnung als Begriff sehr populär. Gemeint waren die Werte des Grundgesetzes, und wer „sich innerhalb“ der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegte, gar „auf der FDGO steht“ gehörte zu den guten Unverdächtigen; der Rest stand unter Sympathisanten-Verdacht und wurde misstrauisch beäugt.

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Ei des Dalí  –  © Frederik Birghan

Wenn sich heute Menschen von der FDGO entfernen, dann macht man sich Sorgen. Das ist ja nicht falsch. Nur verstehe ich die übergroße Bereitschaft zum therapeutischen Gespräch („muss man ernst nehmen“, „auf die Leute zugehen“ und – vor allem: „Reden!“) nicht, die gerade in Mode kommt in konservativen Medien.

Wer Demokratie und Freiheit für falsch hält, hat hier nichts verloren. Den muss ich, die Allgemeinheit, das System Bundesrepublik mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen. Notfalls mit Strafrecht und Staatsgewalt. Wieso sollte ich gegen Rechts zaghafter auftreten als gegen Linksextrem? Nur weil die einen von „Ängsten“ geplagt sind, die anderen Wut trieb? Obwohl doch gerade der „Wutbürger“ aus der Mitte der Gesellschaft kommt? Schlimm genug!

Wer für sein Anliegen – sei’s ein Bahnhof oder eine Flüchtlingsunterkunft – kein Maß mehr findet, muss halt mit den Konsequenzen leben. 

Wer eine Flüchtlingsunterkunft anzündet, gehört in den Knast. Wer sich als Bahnhofsgegner zum Opfer stilisiert, das seinesgleichen sucht, schließt sich vom zivilen Diskurs selbst aus. 

Und ich halte auch nichts davon, falsches Verständnis zu heucheln. Flüchtlinge bedrohen eben nicht den Mittelstand oder andere Teile der Bevölkerung. Sie nehmen keine Arbeitsplätze weg, die entweder bereits zuvor wegrationalisiert wurden oder von den Jammernden erst gar nicht gemacht werden wollten.

Und wer Demokratie und FDGO nicht begriffen hat – mit welcher Berechtigung darf er oder sie dann dennoch wählen?

Wer sich eben nicht mehr auf dem „Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ befindet, mit dem hilft das Reden nix mehr. Schon gar nicht Konsens-orientiert!

Ich bleibe dabei: Da gibt es kein Gespräch und keinen Handschlag.