Formel 1 & RTL

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Ein Outing ist angezeigt, bevor ich weiter schreibe: Ich bin Formel-1-Fan seit Kindertagen, erinnere noch einen aktiven Jackie Stewart. Damals war das unschuldig, heute ernte ich irritierte Blicke. 

Formel 1? Wo die immer im Kreis rumfahren? Wieviel Sprit verbrauchen die? Ist das eigentlich noch zeitgemäß? Und dieser Lärm! Saugefährlich ist das ja immer noch – ist nicht jüngst erst wieder einer gestorben? Bianchi hieß er.

Alles richtig. Und doch war und bleibe ich fasziniert von diesem Spektakel, dem Hightech-Wanderzirkus des Direktors Bernie Ecclestone durch die Welt. Geschwindigkeit, motorisierte, wird mich immer fesseln, egal, ob im Kreis oder durchs Gelände wie im Rallye-Sport. 

Ob auf vier oder zwei Rädern ist nicht so ganz egal, weil die Riders von Motorrädern schneller überholen können. Und das merkt man als Zuschauer den Rennen an: Keine Prozessionsfahrten über den jeweiligen Kurs (wie die Formel 1 etwa im Monaco ganz extrem), sondern ständige Positionskämpfe Rad an Rad.

Lange Vorrede, kurzer Sinn: Was die RTL-Sendergruppe mit der Formel 1, angeblich einer ihrer „sportlichen Kernmarken", anstellt, spottet jeder Beschreibung.

Das Personal ist von höchst unterschiedlicher Qualität. Die Ex-Rennfahrer Niki Lauda und Christian Danner sind wenigstens kompetent, wenn „der Niki“ auch als Immer-und-überall-Rechthaber ziemlich nervt gar keine Frage. 

Aber die RTL-Stammfahrer Heiko Wasser, Florian König und ganz besonders Kai Ebel! Während Wasser (Kommentator-Typ „Neger vor Hütte“: Man sieht einen Schwaren vor einer Hütte und er sagt – genau) während der Rennen ständig blödsinniges Geplapper von sich gibt, quasi als Vertreter der Fankurve der Ahnungslosen, stellt Kai Ebel die Projektionsfigur zum idealen Fremdschämen: Eingekleidet beim Second-Hand-Laden für Luden, schmeisst er sich an alle ran wie eben im Milieu – ohne Rücksicht auf Verluste. Zum Sender mag das passen. Aber zur Formel 1?

Der Knaller der ablaufenden war Saison aber der Umgang mit den Terminen. Die Trainings-Sessions am Freitag wurden mal bei Sport 1 gezeigt, mal bei ntv. Interessierte mussten sich immer erst schlau machen, wo denn heute die Bilder laufen. Wie auf dem Verschiebebahnhof wurde das angeblich so kostbare, auf jeden Fall aber teure Gut mal da, mal dort platziert. 

Und dann jammern die Sendergewaltigen anschließend über sinkende Quoten! Zu recht sinken die. Schließlich, so möchte man ihnen zuschreien, habt ihr hart daran gearbeitet mit solchen Maßnahmen und Leuten, ganz hart.