Herrenschuhe

Neulich erst in einem größeren Kaufhaus in der Innenstadt, Abteilung Schuhe, genauer: Herrenschuhe; zwei jüngere Damen im Gespräch. Im Vorbeigehen schnappe ich den Satz auf, „Männer haben ja leider meistens gar keinen Sinn für Schuhe – was die da anziehen“!

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Achten Sie auf die Fußbekleidung: Straßenszene in Singapur –                             © Frederik Birghan 2010


Diesem Stoßseufzer kann ich nur aus ganzem Herzen beipflichten!

Was Männer, insbesondere die deutsche Gattung, an ihre Füße tun, spottet nicht selten meiner Beschreibung. Die hervorstechendsten Merkmale solchen Schuhwerks erschöpfen sich in Zuschreibungen wie „praktisch“ und – das vor allem: „BEQUEM!“

Und weil der deutsche Mann im Schnitt noch ein begeisterter Schnäppchenjäger ist, sind seine Schuhe nicht nur BEQUEM und praktisch, sondern zudem preiswert, vulgo: Billig. Das sieht man dann auch.

Wer wie ich mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist und dabei eine Haltestelle anläuft, in deren unmittelbarer Nähe ein großes Unternehmen seinen Sitz hat, kann sehr oft folgende Kombination besichtigen: Vom Kopf bis zu den Knöcheln ist der deutsche Angestellte ordentlich gekleidet – je nach Position in der Hierarchie schon mal mit Anzug und Krawatte, ordentlich gebügeltem Hemd – und unten an den Füßen billige, praktische und BEQUEME Schuhe!

Die Wirkung des Restes oberhalb der Knöchel ist vergessen, dahin, perdu, tempi passati – denn merke, deutscher Mann: Mit solchen billigen, vermeintlich praktischen und vor allem BEQUEM aussehenden Schuhe ruinieren ihre Träger zuverlässig jedes Rest-Outfit. Kein noch so feines Brioni-Tuch kann die fatale Erscheinung häßlicher Schuhe kompensieren. Oder um den schönen Spruch von Karl Lagerfeld („Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“) abzuwandeln: Wer Sportschuhe (Turn- oder Laufschuh, Sneaker, o.ä.) zum Anzug trägt, hat jede Aussicht auf Karriere verloren. Jedenfalls in einem Unternehmen, in dem auf ein Mindestmaß von Stil geachtet wird.

Apropos Stil: S. hat man(n) – oder auch nicht. Der Style kann offenbar gefunden werden, wenn er gesucht wird. Bevorzugt bei Internet-Portalen für Mode-Brands, naturgemäß. Dieser Style ist Moden unterworfen. Stil nicht. Wer Style braucht, hatte nie Stil, findet ihn auch nie und wird ewig stillos bleiben. Style ist der Stil für Leute, die keinen haben.

Zurück zum Schuh. Wenn er so daherkommt, als sei er ein Schnäppchen gewesen, mit Kunststoff-Sohlen und ihrem Benutzer den Anschein verleihend, als müsse er verspätet erst das Laufen lernen, dann ist auch der letzte Style verloren gegangen – vom Stil ganz zu schweigen.

Die meisten männlichen Schuhkäufer über 18 (drunter kauft wohl die Mama für den Sohn) wenden ganz offenbar weniger Sorgfalt bei der Auswahl ihrer Fußumhüllung auf als bei der Wahl ihrer Autoreifen. Anders ist der Erfolg mancher Modelle, deren Anblick „Live“ und auf offener Straße zu ertragen sind, mir nicht erklärlich. 

Die Kennzeichen

  • Design: Nicht vorhanden, meist Opas Badewanne nachempfunden
  • Farbe: Egal
  • Material: „Strapazierfähig“ (für Männer, die auch Deodorants mit „48-Stunden-Geruchsbremse“ kaufen), also Plastik
  • Schließung: Klettbänder und/oder Reißverschluss


Wenn eine oder mehrere Kategorien auf Ihre Schuhe zutreffen, sollten Sie einen Stilberater oder eine Stilberaterin Ihres Vertrauens hinzuziehen!