Ich schwitze

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Bislang hatte ich mich ja lustig gemacht über die Bewegungstherapie für sitzende Leidende. Inzwischen lache ich nicht mehr, weil es tatsächlich funktioniert! Meine sonst geschwollenen Beine werden stärker durchblutet, ich schwitze kräftig und nach der Session fühle ich mich an Armen und Beinen erschöpft. Dafür fühle ich mich besser. Insgesamt. Da käme ganz schön was an Kosten auf die Krankenkassen zu, wenn … aber wird wohl nicht passieren. Da werden wir schön drauf sitzen bleiben!

Die ersten Siege habe ich auch schon eingefahren, ja, ja. In der Anfänger-Liga, aber das wird schon werden, da bin ich sicher.

Morgen wieder stationäre Therapie, also nix mit Rennen gewinnen und Belohnungen einfahren. Was mich das kostet! 60 Stunden Langeweile müssen durchgestanden werden. Ohne Schlaf (Cortison®) und Appetit (muss irgendwas in der Chemo sein). Also bin ich für den kleinen TV-Bildschirm aus der Holzklasse von Emirates dankbar, den sie hier für die Kassenpatienten bereithalten. Selbst das Nachtprogramm ist noch besser als gar keine Ansprache. Lesestoff habe ich noch auf dem iPad gebunkert. Ladekabel und Power-Akku nicht vergessen einzupacken! Ein Ross-Thomas-Roman habe ich noch in großen Teilen ungelesen drauf. Wertvolle Fracht! Ross Thomas kaufe ich inzwischen ungelesen!! Immer gut, will ich sagen, meistens jedenfalls. Letztens die Geschichte fand ich weniger prickelnd, aber im Vergleich mit den Niederungen der Gengre-Gattung ist er immer noch besser als die*.

Das Frustrierende an Krankenhäusern finde ich: Du kannst dem Elend nicht entkommen, es ist überall und um Dich herum. Es hustet und röchelt nebenan, wird durch Gänge auf Betten herumgeschoben, von Untersuchung zu Zimmer und wieder zurück. Andere warten vor den Stationen, das es weiter geht zu … PET-CT-Scan, Ultraschall, das große Durchleuchten, die OP, den kleinen Eingriff zwischendurch.

Dich selbst legen sie mit einem Katheter lahm. Die Bewegung  (sic!) ist eingeschränkt. Auch kein Gang zum Rauchen (was natürlich den größten Verstoß gegen Menschenrecht darstellt. Ich helfe der UNO-Charta mit Nicotiretten® auf die Sprünge und überstehe die 60 Stunden, um anschließend eher mehr zu rauchen. Soviel zur Wirksamkeit von äußeren Bedingungen. Ich rechne damit, wieder hier zu scheiben, wenn ich zurück bin …


*) Anmerkung: Es gibt da Autoren der Kriminalliteratur, die ich hier meine. Psychopathen, die selber pathologisch vorgehen – je grausamer der pschisch kranke Mörder zu Werke geht, desto besser. Da muss kein Motiv erklärt, keine Zusammenhänge hergestellt werden. Wie praktisch und bequem! Gesellschaftliches? Igitt. Dafür jede Menge wandernde und sich wandelnde Klischees sonder’ Zahl. Wann immer ich auf einen solchen Scharlatan hereinfalle, wird gewarnt, geschimpft und sich geärgert – nicht unbedingt in der Reihenfolge. FB