Jazz – not Jazz

Ist das noch Jazz? Diese Frage habe ich entlarvender Weise noch nie von einem Musiker gehört, auch nicht von einem Jazz-Musiker. Oder sollte ich besser schreiben: schon gar nicht von einem Jazz-Musiker?

Die Frage kommt meist von Laien, Amateuren – und Kritikern, von denen bereits mein Vater wusste, dass sie „wie Eunuchen“ seien, die zwar genau wüßten, wie’s ging, selbst aber leider …

Den Musikern wiederum wird die Frage von Kritikern besonders gern gestellt, wenn der Musiker genreuntypisch erfolgreich ist und ein größeres Publikum sogar in Hallen erreicht wie derzeit etwa Gregory Porter. 

Dem Klischee „Jazz“ entspricht es halt hartnäckig, dass es in Kellern und alten Kneipen stattzufinden hat vor einem intimen Publikum aus dem Kreis der Eingeweihten. Soweit so beschränkt.

Der mir bis dato unbekannte Christoph Wagner hat in der Neuen Zürcher Zeitung den Blick auf die junge britische Jazz-Szene geworfen, besonders auf den Saxofonisten Shabaka Hutchings und den Kollegen Pete Wareham.

Die in Wagners Artikel erwähnten Bands Sons of Kemet und Polar Bear waren mir bereits bekannt. Und zwar in der Weise, dass ich seinen weiteren Empfehlungen unmittelbar nachgehoppelt bin wie das Kaninchen auf Möhren-Dope. Und wie sich das gelohnt hat!

Bei mir heißt das Genre GEILE MUCKE: Witzig, etwas anarchisch, soll Spass machen, macht den Musikern hörbar Spass, zielt in erster Linie auf Beine und Bauch und verursacht gute Laune. Deswegen laufen die Alben von Melt Yourself Down, The Comet Is Coming und wieder die Sons of Kemet gerade bei mir in Endlosschleife immer wieder und noch einmal…

Wollte ich dem Ganzen ein Etikett aufpappen, das für Werber, Marketing-Leute, Verkäufer halt und Kritiker verständlich sein muss und plakativ, dann würde ich es Jazz-Punk nennen. Aber nur mit dem gewissen Augenzwinkern – ich hasse Etiketten.

Der Sound jedenfalls hilft bei dem Schei…wetter. Mit sowas kennen sich Briten eben aus. Um ein weiteres Klischee zu vermeiden.