Journalismus bezahlen

Jetzt zahle ich auch wieder. Nach einer längeren Bedenkzeit habe ich doch kürzlich ein Periodikum abonniert; zwar nur die billige Einsteiger-Klasse (vulgo: Wochenende-Ausgabe), aber immerhin. Es wäre ja sonst langsam peinlich geworden. Der große Verfechter, ja Evangelist der Linie: Für guten Journalismus soll auch gutes Geld verlangt werden können, zahlt selber nur die Rundfunk- und Fernsehgebühren? Dann noch zwei sehr spezielle Kulturblättchen, aber keine Magazine, Wochenzeitungen oder Tageszeitungen. Bis jetzt, nein eigentlich bis eben, denn jetzt bin ich ja bereits frisch gebackener Abonnent.

Als Gewinner eines Super-Lotto-Jackpots samt Zusatzzahl und sonstigen Schikanen müsste der arme Postbote jeden Morgen ganze Pakete frisch bedrucktes Papier anliefern; allein, ein grausames Schicksal zwingt mich, mit bescheidenen Mitteln über die Runden zu kommen. Außerdem müssten wir den Papiertonnen-Bestand drastisch erhöhen. Das scheint mir nicht mehr zeitgemäß.

Die Wahl meines neuen Periodikums habe ich mir nicht leicht gemacht. Wie sie ausgefallen ist, will ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Aber soviel sei geschrieben: Es gab nur wenig Konkurrenz in der Endausscheidung.

Meine Kriterien?

Die gebotenen Informationen sollten einigermaßen glaubwürdig und die Berichterstattung von Seriosität geprägt sein. Das Medium muss nicht unbedingt meine Meinung vertreten. Aber guten Journalismus. Und ich schätze es sehr, wenn ich dort Sachen finde, nach denen ich gar nicht gesucht hatte. Anregende Lektüre halt, keine Langweiler; bitte auch sprachlich mindestens versiert. Das wäre es schon. Und doch bleiben nur noch die großen Blätter, die sich so viel Aufwand (noch) leisten.

Eigene Korrespondenten im Ausland – wer kann es bezahlen? Üblich sind heute Reporter, gern Freie, die halt in die gerade aktuelle Krisenregion fliegen, um dann „vor Ort“ zu berichten. Gern für mehrere Medien, damit sich’s rechnet. Da wird das Agenturmaterial von DPA, AP, UPI, Reuter zur wichtigsten Stütze, als Ergänzung nur können sich wenige leisten. 

Eigene Leute "vor Ort“ kennen sich halt aus mit Land, Kultur und Einwohnern. Anders die journalistischen Kriegstouristen, die von Schauplatz zu Schauplatz jetten. „Vor Ort“ ist dann meist das Hotel, wo die meisten Kollegen Quartier genommen haben; genauer: Launch & Bar.

Nur Mutige oder Korrespondenten mit Ortskenntnissen gehen öfter mal raus vor die Tür. Die echten, wahrhaftigen Geschichten aus der Ferne kommen immer von Leuten, die dort leben.

Andererseits sind solche Geschichten für Verleger keine Glücksmomente. Schließlich sind diese Artikel exorbitant teuer! Der Typ ist weit weg, die für die meisten Leser wichtigsten Sachen spielen sich aber im Verbreitungsgebiet ab. Also rutscht der Kollege in Übersee nur dann ins Blatt, wenn dort was ganz superwichtiges abläuft, Präsidentschaftswahlen etwa. Oder der tapfere Korrespondent eine Geschichte auftut, die nun wirklich alle vom Hocker reißt. Lange Hintergrund-Analysen zu irgendeinem Königreich weit weg finden ebenso wenig Platz wie große Reportagen, die ein Schlaglicht werfen auf ein Thema, einen Menschen, eine Bewegung, o.v.a.m. – tolle Formate, die vielfach bereits verschwunden sind, zumindest zurückgedrängt.

Also veröffentlicht der Korrespondent eher selten was, kostet aber ständig Öcken und das nicht zu knapp. Und das ist nur EIN Beispiel.

Kein Wunder, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten hier vorweg marschieren: Mit satten Gebührengeldern läßt sich wuchern. Dafür fehlt es bei den Anstalten ein wenig an Biss…

Also zahle ich jetzt wieder, freiwillig, für ein aktuelles Periodikum. Aufmerksame Leser meiner Ergüsse wissen wohl längst, um welches es sich handeln muss. Die anderen mögen weiter rätsel und raten.