Kauf-Warnung

Heute beging ich einen Fehler: Erst kaufte ich im Überschwang eine "seriöse Tageszeitung", griff begierig nach dem Teil, wo „Feuilleton“ drüber steht. Dann las ich dort eine Konzertkritik von einem Oliver Maria Schmitt, in der es laut Unterzeile um die „psychedelischen Britrocker Kula Shaker in Berlin“, bzw. einem Auftritt derselben dort ging.

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Gesehen in der Ausstellung „UNPAINTED lab 3.0“ am 21.02.2016 in München            © Frederik Birghan 2016

Diese Besprechung überschwänglich zu nennen, wäre eine Untertreibung; es handelt sich vielmehr um eine jugendlich-schwärmerische Hymne. Nun muss Begeisterung an sich ja noch nichts Verkehrtes sein. Hemmungsloses Anhimmeln kenne ich selber.

Doch dann kam der folgenschwere Fehler: Von dieser Ode (Titel: "Unter der Dusche der Liebe“) ließ ich mich so sehr mitreißen, dass ich mir das jüngste (und in der Besprechung hinreichend gewürdigte) Album von Kula Shaker gleich runtergeladen habe. Ohne mal reinzuhören. Ein schwerer Fehler, wie bereits geschrieben.

Denn als die ersten Takte erklangen, war der erste Gedanke: „Aus welcher Zeit sind die denn gefallen?“ Antwort: Es müssen die 70er Jahre sein, genau der Sound meiner Jugend. 

Im Rückblick wirkt das sehr peinlich. Die ebenso unvermeidlichen wie nervigen Gitarren-Soli, die gut gemeinten, politisch total korrekten Texte zu etwas schleppendem Rhythmus (die Jungs von damals haben es heute an der Hüfte oder den Gelenken) – als hätte sich eine Bande Pädagogen zusammengetan, um etwas echt deutschen Rock’n’Roll (bitte mit schwerem Deutsch-Akzent sprechen, bzw. denken) zu fertigen. Kraut-Rock haben wir das damals genannt – und gar nicht nett gemeint, oder ironisch.

Tagsüber, so vermute ich nun sehr gern, unterrichten sie entweder Gemeinschaftskunde in der Sexta oder geben Volkshochschulkurse wie „Das Abendland im Wandel der Zeiten, Raum C 132 – für Anfänger“.

Das ist alles sehr ernst gemeint, leider. Als Soundtrack zu Schlaghosen-Jeans, selbst gebatikten T-Shirts, Hare-Krishna-Idiotien und alten Kinderfotos passt das. Mehr Überraschung kommt aber nicht auf. Überraschung? Gähnende Langeweile! 

Als wäre die Musik in den 70ern stehen geblieben. Grauenvoller Gedanke. Daher, liebe Leser dieser Zeilen, lasst ab von dieser hastig produzierten Konsumware musikalischer Art!