Krise

Deutschland hat die Krise. Jedenfalls nach der veröffentlichten Meinung zu urteilen, den Talk-Runden im Fernsehen, den Kommentarspalten in Zeitungen und Magazinen – vom „Netz“ (auch: Bloggosphäre, das Internet, u.ä.) ganz zu schweigen.

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Kein Bild aus Deutschland – Ratten in einem bekannten Tempel in Rajasthan, Indien – © Frederik Birghan 2012

Ein grauenvolles Szenario: Flüchtlinge kampieren auf deutschen Autobahnen, zelten vor den Garageneinfahrten einfacher Bürger; diese Bürger wiederum trauen sich  ohnehin kaum noch aus dem Haus, weil sie entweder sofort unter Horden bettelnder Flüchtlinge fallen oder von ihnen ebenso lang wie ausdauernd sexuell genötigt werden – immer und überall. Spielplätze und Parks werden vom Migrantennachwuchs besetzt gehalten, während deutsche Kinder das Tageslicht fliehen müssen; für sie ist leider kein Platz mehr. Die deutschen Ureinwohner werden in den Untergrund oder die Emigration getrieben …

Schrecklich, ganz schrecklich ist diese Krise, die als „Flüchtlingskrise“ derzeit unser Land beherrscht. So jedenfalls muss sie sein, wenn die Aufregung angemessen wäre, die das juste millieu zu beherrschen scheint.

Wie jetzt, solche Szenen der Anarchie haben sie noch gar nicht gesehen? Tja, ich muss gestehen: Ich auch nicht, nirgends, nicht mal im Ansatz, kein noch so popeliger Hauch davon.

Aber dafür herrscht eine große Lust, eine solche Krise herbei zu reden, schreiben, kommentieren, meinen, äußern, wüten, usw. usf. etc. pp. – woran mag das liegen?

Lange hat man sich besoffen am „Sommermärchen“ der Fußball-WM hierzulande. Dann erst die „Willkommenskultur“! Die es zweifelsfrei und dankenswerter Weise gab. Doch nun geilen sich alle an der Krise auf. 

Und je hysterischer sie beschworen wird, desto stärker muss ich das Fehlen einer solchen konstatieren! Es gibt keine Krise!! Hallo. HALLO!!!

Wo soll sie denn bitte sein, hm? 

Wenn ein paar Sachsen demnächst in den Untergrund gehen, kann ich das zunächst nur begrüßen: Dann sind die schon mal weg von der Straße. Größere Gefahren für die Allgemeinheit kann ich ebenfalls nicht erkennen: Das Potenzial dieser Zurückgebliebenen reicht allenfalls zur Selbstgefährdung. 

Gesamtbefund: Keine Krise, wirklich nicht. Nö.

Wem nützt das Gerede von der Krise? Cui bono fragt der Lateiner. 

Politikern wie Horst Seehofer in erster Linie naturgemäß; der Populist surft auf der Populismuswelle eines unsäglichen Zeitgeists, der da hochblubbert – leider nicht nur in Sachsen. Seine Zustimmungsrate steigt, las ich. Für ihn ist das Konzept also schon mal aufgegangen. Kurzfristig zumindest.

Andere wollen möglicherweise entlaufene Wählergruppen wieder einfangen, indem sie auf Leute zugehen. Leuten übrigens, die vor allem von irrationalen Ängsten beherrscht werden. Zusammen mit Bildungsdefiziten und unterdurchschnittlichen Anlagen ergibt das eine explosive Mischung, die überall auf der Welt nur allzu bekannt ist: Es sind Arschlöcher. Die gibt’s leider überall.

Als ob es eines Beweises bedurft hätte, kommt gerade diese Meldung vorbei.

Aber was reitet TV-Anstalten und Medienhäuser, diese Debatte ständig noch anzuheizen? Die Quoten, Klicks, Reichweiten und Auflagen, die damit zu erzielen sind? Könnte sein. Der Branche geht’s ja nicht so gold momentan.

Aber ich klink’ mich da jetzt aus, hab’ die Schnauze voll und weiß Gott Wichtigeres zu tun ...