No Computer no cry

Warum ich wieder mit Füller schreibe

Eigentlich wollte ich nur kurz eine vermeintlich gute Idee festhalten. Öffne das Textverarbeitungsprogramm und – werde von einem Update informiert. Natürlich allen empfohlen usw. Täglich grüßt das Update, irgendwo.

Während das Programm herunterlädt (Hunderte von MB) und sich anschließend installiert (nach Eingabe des Masterpassworts für den Rechner), habe ich reichlich Muße, meinen neuen Füller auszupacken. Schön schreibt der. Ganz glatt gleitet die Feder übers Papier. Herrlich, eigentlich. Die gute Idee ist flugs festgehalten. Schreiben per Hand geht noch, das Ergebnis ist sogar zu entziffern!

Das Programm, es gehört zu einem größeren Paket, lädt immer noch. Es handelt sich übrigens um den Teil des Pakets, das ganz zum Schluss heruntergeladen und auch erst ganz am Ende installiert wird. Es ist ein Programm, das mir die Arbeit mit Texten erleichtern soll. Ganz einfach soll es sein, das Verfassen, Ändern …

Inzwischen ist die Idee schon ein wenig ausgearbeitet. Mit dem Füller, analog. Gleich muss sich das Paket installieren, gleich…

Wenigstens kein Neustart! Denn das würde wieder dauern bei dem Gerät, das mir das Leben und Arbeiten wesentlich zu erleichtern verspricht. Wobei: Versprochen hat man mir im konkreten Fall gar nicht so viel. Was daran liegen muss, dass es sich eigentlich um ein Auslaufmodell handelt. Allerdings das einzige Modell mit DVD-&-CD-Laufwerk und Firewire-Anschluss. Ohne müsste ich zum einen mein weiteres Equipment wegschmeissen, bzw. austauschen/erneuern und zum anderen mich tatsächlich darauf verlassen, dass der Anbieter meine ganze digitale Musikbibliothek zuverlässig verwaltet und bei Bedarf herausrückt.

Leider tut er das nicht, wie ich gerade feststellen musste. Im Gegenteil. Im Zweifelsfall bietet mir der Konzern an, ich könnte fehlende Titel „vervollständigen“ – natürlich gegen Entgelt. „Erneut" muss ich schreiben, weil ich die DIGITALEN Rechte daran bereits erworben hatte – bei genau diesem Konzern.

Daran kann er sich nicht mehr erinnern. Bei den meisten CDs habe ich gottlob Kopien gebrannt, schon für die alte HiFi-Anlage. 

Und selbst wenn er Originale kriegt, bekomme ich Fehlermeldungen! Das trübt mein Zutrauen in dieses Alles-in-die-Cloud-gegen-kleine-Gebühr-aber-dafür-alles-total-ganz-total-unheimlich-sicher-Modell ein wenig.

Es beweist nur meinen alten Verdacht: In Digitalien erwerben wir höchstens Nutzungsrechte. Die gelten eben à la Unox, also nach Gutsherrenart. Und wenn bei irgendeinem BackUp („Total sicher! Und maßgeschneidert für Ihr…!!!“) doch was nicht mitgekommen ist, dann steht wer blöd da? Ich. Sie. Wir alle. Nie oder nur ganz selten der Konzern, der uns alle so abzockt.

Jetzt endlich ist alles fertig. Jetzt öffne ich das Programm, das mir das Verfassen von Texten ganz einfach zu machen verspricht – und fragt mich, welche „Art von Dokument wollen Sie anlegen? Ein leeres Dokument, einen Brief, Notizen, ….“

Danke. Bin schon fertig. Mit dem Füller. Bei dem ist, aber das wirklich nur nebenbei, die Neuinstallation einer Tintenpatrone tatsächlich GANZ EINFACH! Sagenhaft. Toll, so ein Ding. Und braucht kein Update!

Vielleicht ist das ja die Lösung: Kein digitales Gadget, keine Probleme! No computer, no cry. Keine Rechnungen per Mail von Firmen, die wir gar nicht kennen und dort auch weder was gekauft noch bestellt hatten. Kein aufgeregtes „NEWS!“-Banner mehr, dessen Nachricht auch nicht mehr verkündet, als bereits die Schlagzeile an Inhalt hat. 

Nein, ich würde auf die berühmte „einsame Insel“ weder iPod noch iPad oder iPhone mitnehmen. Ohne Ladestation nutzlos, spätestens nach Tagen sind die Akkus alle. Und dann? Auf Freitag mit dem Ladekabel in der Endlos-Version warten?

Während mich schon der bestehende digitale Fuhrpark ständig beschäftigt, soll ich jetzt noch was kaufen: So eine Smartwatch oder doch mindestens so ein Armband, mit dessen Hilfe ich mich selbst optimieren soll, den Herzschlag, den Blutdruck, den Zucker, die Kalorien, die Bewegung… habe ich was vergessen? Die Daten? Ganz sicher. Bestimmt. Klar.

Meine Uhr geht, danke. Zeigt an, was sie soll: Die Tageszeit plus sogar das Datum. Reicht mir. Ich muss das Gerät noch nicht mal „aufziehen“ (Jüngere fragen bitte Ältere, was damit gemeint ist). Und kein Update. Höchstens alle paar Computer-Generationen mal eine Wartung bei einem „Uhrmacher“ (Nerd für analoge Zeitmesser), also so zwischen fünf und sieben Jahren. 

Länger taugt ein digitales Gerät kaum. Leider. Heißt es dann. Der Fortschritt. Neue Software. Und neue Anforderungen. Reparieren lohnt da nicht mehr.

Aber das ganz Neue wird Ihnen bestimmt Ihr Leben und Arbeiten ungeheuer erleichtern. Ganz sicher.

Sicher.