RAF in midlife-crisis

Eine Meldung über Terroristen der RAF, der eindeutig etwas Slapstick-artiges anhaftet – das ist doch mal was Neues! Denn, erbarmen, dass in die Jahre gekommene Leute noch mal die alten Sachen auspacken, um die Rente aufzubessern, ist schon komisch genug. Aber dass die Truppe dann noch grandios und mehrfach scheitert, katapultiert die Story endgültig ins Komödienfach.


uno.jpg

Was dieser Delegierte sagen wollte, wissen wir nicht; bestimmt irgendwas für den Weltfrieden – UNO, Saal der Vollversammlung, New York 2005


Dabei kann ich mir die Nummer nur allzugut ausmalen: midlife-crisis, die „Pubertät des Mittelalters“ kenne ich ebenso wie den fatalen Hang zur Peinlichkeit, wenn Ältere noch mal auf Jung machen wollen. Geht natürlich schief.

Wette, da hat nicht nur die Knarre geklemmt, sondern das ein oder andere Gelenk bereits vernehmlich geknirscht. In dem Alter gilt ein Nachlassen von  Sehfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit als völlig natürlich. 

Was sollen sie auch machen? Gefahrloser und lukrativer wäre natürlich Cyber-Crime gewesen, aber das beherrschen sie nicht. Beim Nachwuchs hapert es leider schon länger. Die Revolution hat die Kinder wirklich gefressen und die heutigen Generationen sind für die alten Phrasen nur noch schwer empfänglich.

Also doch die Aktion „Panzerknacker“. Aber nach all den Jahren hat wohl die Aufmerksamkeit der Guerillieros gelitten: Nicht nur das schwere Gerät macht Ärger, einer vergisst noch seine Maske. Erkennbar wird ausweislich der Phantomzeichnung der Ermittlungsbehörden das etwas verhärmte Gesicht eines durchschnittlichen Schnauzbartträgers mit etwas zu langer Matte, wie sie zu Tausenden in jeder Fußgängerzone der Republik zu besichtigen sind. Ältere im Stil ihrer vergangenen Jugendzeit daher erscheinend. 

Vorteilhaft ist das nicht in jedem Fall: Nicht immer schmeicheln Jeans dem nachlassenden Bindegewebe wirklich. Kennen wir wie die Silberhaar-Männchen in Turnschuhen – wohlgemerkt außerhalb des Sportplatzes!

Zurück zur Aktion „Revolutionäre sichern ihre Rente“. Heute sitzt das Kommando sicher nicht mehr mit untergeschlagenen Beinen auf dem Fußboden. Der antikapitalistische Rücken will heute Polster spüren, wenn stundenlang über den bewaffneten Kampf diskutiert wird.  Mich würde ja interessieren, ob das Plenum bestimmt, wer den Kaffee kocht und das Catering besorgt, oder die gewählte Führungsebene. Hat sich der Speiseplan über die Jahrzehnte geändert und wie? Mehr slow food statt fast food? Kennt man seine Erzeuger oder gehen die Gesuchten lieber im Masseneinkauf unter?  Also lieber Bioware von Aldi, Lidl & Co.? Oder lieber beim Türken um die Ecke? Ist dessen Position in Sachen Feminismus geprüft und verbürgt?

Wenn revolutionärer Untergrund auf Alltag trifft, wird’s spannend. TV-Produzenten, hergehört! Da steckt Soff für mindestens eine Serie drin! Je nach Budget fänden sich sicher passende Rollen für Schweiger oder die Ferres oder gar beide. Oder für Frau Furtwängler-Burda oder Burda-Furtwängler. 

Emotionale Konflikte sonder Zahl! Wer verbündet sich mit wem gegen wen wie und warum? Da können die „Charakterdarsteller“ glänzen. 

Im anderen Fall müssen die Verantwortlichen halt „jungen und noch unbekannten Talenten eine Chance geben“. Das gilt dann meist für die ganze Produktion und bedeutet unterbezahlte Ausbeutung, als freiwillige Selbstausbeutung daherkommend. 

Wenn natürlich eine deutsche Film- oder doch wenigstens TV-Regielegende Interesse an so einem Projekt bekunden würde, könnte es vielleicht doch zu ordentlicher Ausstattung und Personal reichen. 

Vielleicht werden Zuschauer schon bald ihre „RAF-Senioren“ lieben, bei DingsTV läuft bereits die zweite Staffel… Neueste Folge: „Fluchtwagen“ – Renate, die „Granate“ und Bernd, der „Philosoph“ streiten über die korrekte Ausstattung; darf Navi* rein? Und sind Sitzheizung und Klimaautomatik noch revolutionär?

*Das mit dem Navi eröffnet Produzenten mit einem Blick für öffentliche Fördergelder ein hübsches Feld: Hier können aktuelle Probleme des Datenschutzes angesprochen und (auch europaweit!) erklärt werden. Tatort-erfahrene Drehbuchautoren schneidern da Ruckzuck einen Dialog zur allgemeinen Volkserziehung, wie er Vertretern der Lehrerverbände immer so gut gefällt. 

Da fänden Generationen wieder vor den „Geräten draußen im Lande“ zusammen! Der postmoderne Herd TV feierte Wiederauferstehung. Jubel bei Kritik und Publikum. Neue Stars und Sternchen. Allenfalls in öffentlich-rechtlichen Gremien würde es Gegrummel geben. Wahrscheinlich "zu wenig politisch" oder so.

Wahrscheinlicher ist also, dass so ein Projekt bei den Privaten landet. Da legt der Hauptsponsor gleich eine Sonderedition von der auf Krawall getrimmten Familienkutsche auf. In den Feuilletons wird dann diskutiert, ob das statthaft ist: Mit RAF-Symbolen und -Devotionalien Geschäfte machen. Dabei trägt Barbie das passende T-Shirt aus der neuen Kollektion längst…

Dafür dürften die Amateure und Nachwuchsschauspieler auch brüllen wie in den betreffenden Kanälen gewohnt: „Du mieses Unterdrückerschwein! – Blöde spätbürgerliche Sektiererin…"

Alte Themen werden neu belebt: Die Frage Was soll ich anziehen? bekommt vor dem Hintergrund Tarnung ganz neue Modeaspekte. Der style wird unauffälliger, angepasster – naturgemäß.