TV-Kritik

Zum Abschied des Moderators Stefan Raab sang die gesamte TV-Kritik der großen Blätter & Magazine Lobeshymnen: Spiegel-Online („Das war großes, ganz großes Fernsehen“), FAZ.net und süddeutsche.de seien als Beispiele genannt. Das, muss ich zugeben, hat mich doch etwas irritiert.

Aber vielleicht wollten sich die Autoren zur Abwechslung mal wärmen an der  kuschligen Stimmung des Mainstream, des Massengeschmacks, gegen den sie sonst meist vergeblich anformulieren.

Dass etwa die RTL-Serie „Deutschland 83“ beim großen Publikum durchfiel, ließ die Berufsseher teilweise ratlos zurück („Wieso sieht das keiner?“). Und so ist es ja meist: Was der Großkritiker sehenswert findet, läßt das große Publikum völlig kalt, während umgekehrt die fetten Quoten mit Programmen eingefahren werden, welche in den Redaktionen auf Entsetzen und entschiedene Ablehnung stoßen ("Big Brother“ beispielshalber).

Nun also das große Heulen, weil Raab kein Fernsehen mehr machen mag. Warum eigentlich dieses Gegreine? Zumal ein Blick in die Foren offenbart, dass die Leser/User dort ebenfalls Unverständnis darüber äußern.

Als Entertainer von TV-Total war Raab für mich immer die schwächere, prollige und intellektuell dürftige Kopie des großen Harald Schmidt. Sein Format hat Raab nie erreicht und das blieb bis zuletzt so. Noch schlimmer und unendlich öde fand ich diese aktuellen Varianten des alten „Spiel ohne Grenzen“ – Ältere werden sich noch erinnern: Erwachsene Menschen bekommen Aufgaben, die besser bei Kindergeburtstagen aufgehoben wären. Zudem hätten mir diese Spektakel wie „Wok-WM“ einfach viel zu lang gedauert, um meine Lebenszeit damit vor dem TV-Gerät zu verschwenden. Da galt und gilt für mich der Satz des österreichischen Satirikers Werner Schneyder: „Das ist unterhalb meiner Wahrnehmungsgrenze.“ Nie geschaut, nie interessiert.

Und plötzlich soll das alles so toll gewesen sein? Sogar „großes, ganz großes Fernsehen“? Kollektive Umnachtung? Gemeinsam verbotene Substanzen genommen?

Es könnte natürlich wieder so sein, dass die eine Seite (Kritik) ja durchaus ein Stück von der TV-Branche lebt, von ihr abhängig ist. Und wer immer nur über die Sendungen mosert, die der Masse so gefallen, den könnte die Angst befallen, nicht mehr gelesen, wahrgenommen zu werden. Daher wird eben dann und wann mal hemmungslos gelobt.

Ich selbst wäre als TV-Kritker völlig ungeeignet: Deutschen TV-Produktionen weiche ich meist sehr gezielt aus. Deutsche Krimis? Bloß nicht! Während regelmäßig mindestens acht gesellschaftlich relevante Themen gleich mit behandelt werden müssen (Relevanz!), bleibt die Story öde, die Figuren im Klischee und die Dialoge knistern recht nach Papier – so sprechen Menschen nicht. Deutsche Action? Zum Fremdschämen. Für echtes Popkorn-Geballer fehlt sichtlich das Budget; billige Kopien sind halt nicht mein Ding. Ob Drama, Humoriges oder Schmonzette – das Zeug ist grottig, nicht anzuschauen.

Höchstens Dokumentationen mag ich aus eigenen Landen schauen. Sonst sind die Sachen aus anderen Ländern IMMER besser.

Vor allem die Briten, genauer die alte Tante BBC, machen vor, wie gute TV-Unterhaltung geht! Von „Yes, Minister“ & „Yes, Premierminister“ in vergangenen Zeiten,  über – natürlich! – „Top Gear“ bis hin zu den jungen „Sherlock Holmes“-Filmen sind das meine Lieblinge. Und bei jeder dieser Produktionen muss ich leider zugeben, dass es die Gewaltigen hier so nie hinbekommen würden. Zu wenig Mut, zu viele Zielgruppen fest im Blick. Und wenn sie solche Erfolge nachzuahmen versuchen, wird es zuverlässig vor allem: Peinlich, sehr peinlich. Man spürt die Absicht und ist enttäuscht.

Das fängt schon bei der Machart an: Gern konventionell. Innovationen in der Bildsprache machen Deutsche nur nach, wenn sie sich als erfolgreich erwiesen haben. Selbst fehlt da entweder wieder Mut oder auch Ideen und Kreativität. Es ist ein Trauerspiel – und das in unendlichen Fortsetzungen. Ins Zeugnis würde der Lehrer schreiben: „Könnte mehr leisten!“ Muss wohl mit einer landestypisch bräsigen Bequemlichkeit zu tun haben.

Typisch auch die Innenausstattung: Wo Menschen angeblich wohnen, sieht es immer aus wie frisch eingerichtet, aufgeräumt und geputzt. Die Möbel beim gleiche Hersteller gekauft. Wie es eben in Prospekten aussieht, nicht in der Realität.

Das können die Franzosen etwa immer besser. Die wissen offenbar, wie ihre Landsleute wohnen; da ist die Einrichtung zusammengewürfelt aus neuen Sachen und Stücken von Opa und Eltern. Das sieht authentisch aus, nicht nach Möbelhaus Dingsbums.

Bevor diese Suada zu lang wird, höre ich auf. Auf Verbesserung zu hoffen, habe ich eh schon lange aufgegeben. Da hat auch die Einführung des privaten Fernsehens nix gebracht. Die Orientierung an Kommerz macht eben nicht alles besser oder anders oder völlig neu. Anders ist eigentlich nur, dass der Erzählfluss sehr regelmäßig durch Werbung unterbrochen wird. 

Es soll ja Leute geben, die gern Werbespots schauen, dafür extra sogar ins Internet gucken gehen. Letzteres verstehe ich dabei gut! Denn deutsche Werbung… aber das ist ein anderes Thema.